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Welche Konsequenzen hat die Forderung nach Ethik im Gesundheitswesen für die ärztliche Aus-, Weiter- und Fortbildung?
Author(s) -
AU Gerber
Publication year - 2007
Publication title -
swiss medical forum ‒ schweizerisches medizin-forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4020
pISSN - 1424-3784
DOI - 10.4414/smf.2007.06138
Subject(s) - humanities , philosophy
wenig Bewusstes, etwas, das durch das gesellschaftlich Selbstverständliche verzerrt, verdrängt und unterdrückt wird. Schliesslich liegen individuelle Wertvorstellungen und emotional gefärbte (häufig irrationale) Wunschvorstellungen nahe beieinander. Auch drohen ständig intraund interindividuelle Missverständnisse, Dilemmata und Konflikte. Die Wissenschaft der Werte ist die Ethik – für die meisten Berufstätigen im Gesundheitswesen etwas Theoretisches und Abstraktes. Im medizinischen Alltag geht es jedoch viel mehr um die angewandte Ethik. Hier sind wir ständig gezwungen, nicht nur medizinische, sondern ebenso häufig medizinethische Entscheidungen zu treffen. Wir entscheiden in solchen Situationen meist sehr subjektiv: Wir verlassen uns auf unsere Erfahrung und unser Gewissen, auf eine uns immanente Motivation zum «Richtigen», zum «Guten». Erst wenn es zu Konflikten kommt, wird uns bewusst, dass uns hinsichtlich der medizinethischen Entscheidungsfindung eine gewisse Professionalität fehlt. Es stellt sich die Frage nach der Systematik und der Methodik, mit deren Hilfe wir in unserem professionellen Alltag solche Entscheidungen treffen müssten. Der Prozess der ethischen Entscheidungsfindung jeglicher Art basiert – bewusst oder unbewusst – auf ethischen Argumentationsmodellen. Als Mitbzw. Hauptverantwortliche für medizinethische Entscheidungen kommen wir Ärzte und Pflegende nicht darum herum, uns mit den unterschiedlichen Argumentationsmodellen ethischer Entscheidungsfindung auseinanderzusetzen. Mehr noch: Neben dem Fachlichen ist unser Verständnis für die Vielfalt ethischer Werte und Argumentationsmodelle Teil des grundlegenden Rüstzeugs für den kompetenten interdisziplinären Dialog mit anderen Fachgebieten und Berufsgruppen im Gesundheitswesen. Fehlt uns die einschlägige Kompetenz für diesen Dialog, so werden wichtige medizinische Entscheide nicht von uns, sondern von Aussenstehenden, vom «stranger at the bed side» dominiert. Dazu gibt es zahlreiche aktuelle Beispiele: Die medizinischen Aspekte im Erwachsenenschutzgesetz, der Fragenkomplex rund um die Sterbehilfe, die Patientenverfügungen, der DNAR-Entscheid (do not attempt to resuscitate) und viele mehr. Es reicht also nicht, wenn wir uns als Ärzte und Pflegende jeglicher Disziplin primär auf die naturwissenschaftlich verstandene, sich um Objektivität bemühende evidenzbasierte Medizin E D I T O R I A L Schweiz Med Forum 2007;7:245–246 245

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