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Tuva, armes Naturparadies in Sibirien
Author(s) -
RA Streuli
Publication year - 2006
Publication title -
swiss medical forum ‒ schweizerisches medizin-forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4020
pISSN - 1424-3784
DOI - 10.4414/smf.2006.06036
Subject(s) - history
dersterblichkeit ist mit 29,3 pro 1000 Lebendgeburten sehr hoch (in der gesamten russischen Föderation beträgt die Rate 13,3, in die Schweiz 5). Der wohl alarmierendste Gesundheitsindikator ist jedoch die ausserordentlich hohe Inzidenz der Tuberkulose in Tuva: Jährlich erkranken 220,5 Menschen pro 1 Einwohner an dieser Krankheit (in der russischen Föderation sind es 92, in der Schweiz 10). In manchen abgelegenen Gegenden der Republik stieg die Inzidenz in den letzten Jahren sogar auf unglaubliche 585 Fälle pro 1 an, nachdem sie 1994 noch 150 betragen hatte. Während in der Hauptstadt Kysyl die Spitäler und Ambulatorien einigermassen zweckmässig eingerichtet sind, herrschen in den regionalen Krankenhäusern und Hilfsstellen desolate Zustände. Toora Chem zum Beispiel ist ein Dorf, das 200 km östlich von Kysyl gelegen ist und im Sommer nur mit einer alten Antonov-3-Propellermaschine erreicht werden kann, aber nur, falls das Wetter den Überflug über die davorliegende hohe Gebirgskette erlaubt. Das Flugzeug landet auf einer holprigen Graspiste, und seine Ankunft ist jedes Mal ein grosses Ereignis für die Bevölkerung, die wegen der schlechten Witterung oft wochenlang vollständig von der Umwelt abgeschnitten ist. Im Winter können Transporte mit geländegängigen Lastwagen auf einer zweitägigen Fahrt über das gefrorene Flussbett des Jenisseioberlaufs durchgeführt werden. Das Spital von Toora Chem besteht aus mehreren hölzernen einstöckigen Blockhäusern; es gibt kein fliessendes Wasser, elektrischen Strom liefert ein Dieselaggregat, geheizt wird mit Holz, da der Antransport von Kohle zu teuer wäre. Das Röntgengerät funktioniert seit Monaten nicht mehr und ist so alt, dass kaum noch Ersatzteile aufzutreiben sind. Der Operationstisch muss an beiden Enden mit Holzstühlen gestützt werden, weil die Gelenke gebrochen sind. Tuberkelbazillen im Auswurf der hustenden Patienten können nicht identifiziert werden, da das Mikroskop unbrauchbar ist. Die Präparate müssen deshalb zur Diagnostik nach Kysyl gesandt werden – das Resultat der dortigen Untersuchung trifft jedoch erst nach etwa zwei Monaten ein. Derartige Verhältnisse haben wir in allen peripheren Spitälern angetroffen. Darum erstaunt die erschreckend hohe Mortalität und Kindersterblichkeit in dieser Republik nicht. Die Versorgung mit Tuberkulostatika funktioniert zwar seit zwei Jahren in der russischen Föderation recht zuverlässig. Das Problem in den abgelegenen Republiken wie Tuva besteht aber darin, dass es schwierig ist, die teils nomadisierenden Menschen zu erreichen und sie davon zu überzeugen, dass sie wähE D I T O R I A L Schweiz Med Forum 2006;6:1069–107

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