Kontrazeption bei Jugendlichen
Author(s) -
Johannes Bitzer,
S Tschudin,
Brigitte Frey Tirri
Publication year - 2006
Publication title -
swiss medical forum ‒ schweizerisches medizin-forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4020
pISSN - 1424-3784
DOI - 10.4414/smf.2006.06011
Subject(s) - psychology , medicine
CME zu diesem Artikel finden Sie auf S. 993 oder im Internet unter www.smf-cme.ch. Als die Patientin und ich allein im Sprechzimmer sind, befrage ich sie zu ihrer Vorgeschichte und zu möglichen aktuellen Beschwerden. Sie erklärt, an starken schmerzhaften Periodenblutungen zu leiden. Sonst seien keine Beschwerden vorhanden. Meine Frage, ob sie einen Freund habe und wenn ja, schon mit ihm geschlafen habe, beantwortet sie mit einem verschämten Nicken. Ihre Mutter dürfe das aber nicht wissen. Die Mutter habe ihr verboten, sich mit einem Mann einzulassen, weil sie dazu noch zu jung sei. Nach der Rückfrage, ob sie mit einer Untersuchung einverstanden sei, führe ich diese inklusive eines Krebsabstriches durch. Der Befund ist insgesamt normal. Ich sage der jungen Frau, dass sie meiner Ansicht nach eine sichere Verhütung brauche und es keinen medizinischen Grund gegen eine Einnahme der Pille gebe. Gleichzeitig werde die Pille mit grosser Wahrscheinlichkeit die Hyperund Dysmenorrhoe mindern. Ich frage sie, ob wir mit der Mutter zusammen die Pilleneinnahme besprechen sollten. Sie möchte das, aber sie wünscht, dass wir der Mutter nicht erzählen, dass sie sexuell aktiv ist. Ich weise sie darauf hin, dass es meiner Meinung nach sinnvoll wäre, die Mutter einzuweihen, dass sie sich aber darauf verlassen kann, dass nichts mitgeteilt wird, was sie nicht will. In Anwesenheit der Mutter besprechen wir die Anwendung der Pille zur Minderung der Regelschmerzen. Zehn Tage nach der Konsultation erhalten wir das zytologische Ergebnis: Pap II W (ASCUS), das heisst ein kontrollbedürftiger Krebsabstrich, eventuell im Zusammenhang mit einer kondylomatösen Läsion, also einer HPV-Infektion. Ich beschliesse zunächst, die junge Frau zu informieren. Dabei zeigt sich, dass ich nur die Adresse der Mutter habe, und erst nach längerer Zeit gelingt es uns, die Tochter an ihrem Arbeitsplatz zu finden und sie zu informieren. Sie scheint jedoch nicht allzu beunruhigt, und ich schlage ihr vor, die Mutter von der Sachlage in Kenntnis zu setzen. Wir vereinbaren einen Termin in sechs Monaten. Die Patientin erscheint zur Kontrolle des Krebsabstriches. Sie erzählt: «Seit dem letzten Mal ist viel passiert. Vor drei Wochen habe ich mich von meinem Freund getrennt ... Ich habe erfahren, dass er verheiratet ist und zwei Kinder Quintessenz
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