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Pathologische Formen des Stehlens
Author(s) -
T Knecht
Publication year - 2006
Publication title -
swiss medical forum ‒ schweizerisches medizin-forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4020
pISSN - 1424-3784
DOI - 10.4414/smf.2006.05922
Subject(s) - philosophy
Das Beschaffen von Ressourcen war für den Menschen seit seinen Uranfängen eine zentrale Aufgabenstellung im Kampf ums Überleben, was schliesslich schon für seine tierischen Vorgänger galt. Das Einhalten der Besitznorm ist dagegen eine Fähigkeit, welche vergleichsweise spät auftritt, und auch wenn die Humanethologie nicht von einer rein kulturellen Schöpfung sprechen mag, handelt es sich beim Besitzstreben und -verteidigen doch um kulturunabhängige Universalien, welche in ihren ersten Ansätzen sogar ebenfalls bereits im Tierreich zu beobachten sind [1]. Somit steht dem archaischen Bemächtigungsstreben ein menschheitsgeschichtlich verhältnismässig junges gemeinschaftliches Erfordernis zur Einhaltung der Besitznorm gegenüber, das in alphabetisierten Gesellschaften in sprachcodierten Regulativen – den Strafgesetzbüchern – verankert und mit Sanktionen versehen ist. Die Folge ist ein natürliches Dilemma zwischen der Selbstbereicherungstendenz des einzelnen und dem Gebot des Kollektivs, zugunsten des sozialen Friedens diese angeborenen kaptativen Tendenzen zu modulieren. Daraus erwächst dem Individuum eine lebenslange Aufgabe, die nicht an Geschlecht, Entwicklungsstufe oder sozialen Rang gebunden ist.

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