Wirksamkeit und Komplexität der Behandlung in der Kinder- und Jugendpsychiatrie
Author(s) -
M Macias
Publication year - 2006
Publication title -
swiss medical forum ‒ schweizerisches medizin-forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4020
pISSN - 1424-3784
DOI - 10.4414/smf.2006.05874
Subject(s) - medicine , psychology
Die folgenden Überlegungen zu einem zentralen, wenn auch oft verkannten Aspekt basieren auf meiner eigenen langen, intensiven Erfahrung als Kinderund Jugendpsychiater: Die Frage nach der Wirksamkeit von Psychotherapien darf heute nicht mehr als Tabu behandelt werden. Denn einer der Hauptkritikpunkte an die Adresse der Psychoanalyse war und ist, dass sie keine objektivierbaren, messbaren, wissenschaftlichen Beweise für ihre klinische Wirksamkeit geliefert habe. Lange Zeit widersetzten sich die Psychoanalytiker den Forderungen der wissenschaftlichen Gemeinschaft, die Resultate ihrer Arbeit etwas weitergehend als nur aufgrund ihrer eigenen Einschätzungen zu dokumentieren. Und als sie schliesslich ihre Technik zu hinterfragen begannen, blieb das Problem, dass sich die Vorgänge nur schlecht messen liessen. Heute ist die Frage nach der Wirksamkeit kein Tabu mehr, sondern im Gegenteil in Anbetracht der Kostenexplosion im Gesundheitswesen, der zunehmenden Zahl von Konsultationen und dem immer lauter werdenden Ruf nach konkreten Resultaten innert kürzester Zeit eine schlichte Notwendigkeit. Aus diesem Grund begann man nach Therapien zu suchen, deren Wirksamkeit allgemein anerkannt ist. So entstanden und entwickelten sich die psychotherapeutischen Kurztherapien und die kognitiven Therapien. Die Forschung geht heute nicht mehr der Frage nach der Wirksamkeit der Psychotherapie an sich nach, man weiss, dass eine Psychotherapie besser ist als keine Behandlung. Man interessiert sich vielmehr für den Effekt verschiedener Therapien bei spezifischen Indikationen, man vergleicht verschiedene psychotherapeutische Techniken und versucht zu verstehen, wie sie wirken. Die Psychoanalyse bildet nach wie vor die unverzichtbare theoretische und klinische Grundlage, welche die kinderpsychiatrische Praxis zusammenhält (übrigens war es Anna Freud, die Tochter des Begründers der Psychoanalyse, die bereits 1936 die normale und pathologische Entwicklung des Kindes beschrieben hat). Diese Feststellung steht keineswegs im Widerspruch zur Forderung nach für den praktischen GeQuintessenz
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