«Unter Schmerzen sollst du sterben ...»
Author(s) -
Die Redaktion
Publication year - 2006
Publication title -
swiss medical forum ‒ schweizerisches medizin-forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4020
pISSN - 1424-3784
DOI - 10.4414/smf.2006.05813
Subject(s) - philosophy , art
könnte. Und genau da liegt der Punkt: Wer würde denn «beurteilen», ob die Dosis gerechtfertigt war? Das wären die Funktionäre der DEA, die offensichtlich überhaupt keine medizinische Ausbildung und Erfahrung haben und damit in den allermeisten Fällen auch nicht in der Lage wären, zwischen gerechtfertigter Verschreibung und absichtlicher Überdosierung zu unterscheiden. Es lohnt sich, dass wir uns kurz etwas mit jenem Mann beschäftigen, der die treibende Kraft hinter diesen irren Bestrebungen ist. Es handelt sich um den «Attorney General» John Ashcroft, der 2001 diesen Prozess in Gang gesetzt hat, als er behauptete, der Staat Oregon verletze im Bereich der Betäubungsmittel Bundesrecht. Wer ist John Ashcroft? Ohne jeden Zweifel handelt es sich um einen frömmelnden Eiferer und stockkonservativen Gefolgsmann des Bush-Clans. Ashcroft tritt für die Todesstrafe, gegen die Rechte von Homosexuellen, gegen den Abort ein. 1999 wandte er sich gegen die Aufhebung der Rassentrennung an den Schulen von Missouri, seinem Heimatstaat. Er nahm den Titel eines Doktor honoris causa der Bob Jones Universität an, die ihren Studenten den Umgang mit Angehörigen anderer Rassen verbietet. Man sieht, ein würdiger Erbe der Aufklärung! Man hat ihn übrigens auch schon mit Torquemada verglichen, dem Dominikanermönch, der zum Grossinquisitor am spanischen Hof wurde ... Man kann sich fragen, aus welchen Gründen jemand ein derart verheerendes Gesetz durchzubringen versucht: aus Angst, der Sucht Vorschub zu leisten (armer terminalkranker Patient)? Aus Angst, den illegalen Handel zu fördern? Um eine einflussreiche Gruppierung für sich zu gewinnen? Ich denke nicht. Vielmehr meine ich, dass John Ashcroft aus einem tiefreligiösen Gefühl heraus glaubt, Schmerz bringe Erlösung, und dass er möchte, dass seine Mitmenschen daran teilhaben «dürfen» [2]. Das ist natürlich meine ganz persönliche Meinung. Ich sehe hier einen weiteren Schritt in Richtung Theokratie, von der ich bereits in einem früheren Editorial gesprochen habe [3]. Fazit für uns Ärzte aus dieser traurigen Geschichte: Stets gilt es, wachsam zu bleiben gegenüber allen Bestrebungen, uns Vorschriften gegen das Wohl unserer Patienten aufzuzwingen. E D I T O R I A L Schweiz Med Forum 2006;6:283 283
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