Steigender Fruktosekonsum als Auslöser des metabolischen Syndroms?
Author(s) -
Kaspar Berneis,
Ulrich Keller
Publication year - 2006
Publication title -
swiss medical forum ‒ schweizerisches medizin-forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4020
pISSN - 1424-3784
DOI - 10.4414/smf.2006.05793
Subject(s) - political science
Beim Begriff «Zucker» denken wir meist an Saccharose, ein Disaccharid, das aus Glukose und Fruktose zusammengesetzt ist und aus Zuckerrohr oder Rüben hergestellt wird. In der Tat gibt es in Nahrungsmitteln verschiedene süsse Monound Disaccharide. Diese Zuckerarten werden gemäss «Lebensmittelverordnung» nicht in ihrer Menge deklariert, obwohl sie sehr unterschiedliche Stoffwechselwirkungen haben können. Dieser Artikel behandelt das Monosaccharid Fruktose, dem eine besondere Bedeutung zukommt. Während Tausenden von Jahren hat der Mensch auch Fruktose in kleineren Mengen in Form frischer Früchte zu sich genommen. Unbemerkt von Teilen der Öffentlichkeit ist es in den letzten Jahrzehnten in den USA zu einem drastischen Anstieg des Konsums von freier Fruktose gekommen (Abb. 1 x). In diesem Zeitraum wurde in den USA ein grosser Teil der Saccharose durch das billigere Süssmittel «high fructose corn syrup» (HFCS) ersetzt. Wurden 1970 in den USA total pro Kopf und Jahr nur 0,23 kg HFCS konsumiert, betrug die Einnahme 1997 schon 28,4 kg im Jahr; ein Anstieg um mehr als das Hundertfache! [2] HFCS kann industriell billig aus Mais produziert werden und ist 1,6mal süsser als Saccharose oder Glukose. Zunehmend weisen an Tieren und Menschen erhobene Daten auf eine ungünstige Wirkung eines hohen Fruktosekonsums auf Gewicht, Lipidstoffwechsel und Bluthochdruck hin – Veränderungen, die für eine Zunahme des metabolischen Syndroms sprechen. Publizierte Daten über den Konsum freier Fruktose in der Schweiz gibt es leider nicht, unter anderem, weil keine Deklarationspflicht besteht. Gemäss Angaben der Schweizerischen Zollverwaltung wurden 2004 über 5400 Tonnen Fruktosesirup in die Schweiz eingeführt. Es ist jedoch unklar, wie hoch der Anteil an freier Fruktose, etwa in Süssgetränken, ist und wo und wie der importierte Fruktosesirup produziert wird. Demgegenüber wurden im selben Jahr 279000 Tonnen Saccharose importiert. Somit wird in der Schweiz die weitaus grösste Menge an Fruktose immer noch in Form von Saccharose konsumiert – es ist aber zu erwarten, dass der Anteil an freier Fruktose bei uns ebenfalls zunehmen wird. Im «5. Schweizerischen ErnährungsbeC U R R I C U L U M Schweiz Med Forum 2006;6:0–0 187
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