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Radio-Onkologie: Die interstitielle Brachytherapie als interventionelle Radiotherapie
Author(s) -
R H Greiner,
Bernhard Isaak,
KolotasC
Publication year - 2006
Publication title -
swiss medical forum ‒ schweizerisches medizin-forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4020
pISSN - 1424-3784
DOI - 10.4414/smf.2006.05750
Subject(s) - medicine
Madame Marie Curie ist allen ein Begriff. Ihr Name steht für die Entdeckung und vor allem für die medizinisch-therapeutische Nutzung der natürlichen Radioaktivität. Ihr Name ist, neben dem Nuklid Polonium, geknüpft an das Radionuklid Radium-226, das vor 100 Jahren in Paris dank ihrer unermüdlichen Vorarbeiten industriell in Form gepackt werden konnte und ab dieser Zeit zum damals wichtigsten Mittel bei der Behandlung von Karzinomen des Uterus wurde. Wir kennen diese Technik der Applikation einer geschlossenen radioaktiven Quelle heute unter dem Begriff «endokavitäre Brachytherapie», hergeleitet vom griechischen «bracus», «kurz», wegen des steilen räumlichen Dosisabfalls der emittierten Gammastrahlung. Der Terminus «Brachytherapie» ersetzte die lange gebräuchliche Bezeichnung «Curietherapie» für eine Strahlentherapie mit radioaktiven Stoffen. Radium-226 war auch das erste radioaktive Element, das in Form von kurzen, kräftigen Nadeln direkt in das tumoröse Gewebe eingestochen worden war. Diese Applikationstechnik kennen wir heute als «interstitielle Brachytherapie» (IBT); wir möchten diese Therapiemodalität des Radio-Onkologen hier als «interventionelle Radiotherapie» bezeichnen und vorstellen. Zu Beginn der Ära der Curietherapie, also vor 100 Jahren, wusste man noch wenig von den die molekulare Zellstruktur zerstörenden Eigenschaften der Strahlung radioaktiver Stoffe; von Strahlenschutz war erst später die Rede. Radium (Halbwertszeit [HWZ]: 1600 Jahre) ist ein energiereicher Gammastrahler (1 MV). In Ermangelung von Ersatznukliden wurden Radiumnadeln noch in den 1970er Jahren für die interstitielle Brachytherapie verwendet und erst dann allmählich durch den dünnen Draht des energieärmeren Gammastrahlers Iridium192 (0,3 MV, HWZ: 72 Tage) ersetzt. Iridium ist bis heute das weitaus am häufigsten in der Strahlentherapie verwendete Radionuklid geblieben. Wer bis in die frühen 90er Jahre des 20. Jahrhunderts als Radio-Onkologe neben der perkutanen Behandlungstechnik und der etablierten gynäkologischen endokavitären Brachytherapie die interstitielle Strahlentherapie anbot, musste allerdings gesundheitliche Risiken eingehen: Er hantierte unmittelbar mit den radioaktiven Stoffen und setzte sich und das Personal deren Strahlung aus. Diese Problematik ist dank der technischen Fortentwicklung der Applikatorsysteme und der Planungsrechner, welche die CT-gestützte dreidimensionale Planung der Dosisverteilung erlauben, heute gelöst. Anstelle der Quellen werden unter geeigneter Anästhesie Plastikschlauchapplikatoren in das Tumorbzw. Zielvolumen eingeführt und fixiert (Abb. 1, 2 x). Mit der Computertomographie kann die räumliche Zuordnung der mit Dummies markierten Applikatoren innerhalb des Zielvolumens, das wie bei der dreidimensionalen Planung der perkutanen Strahlentherapie Schnitt für Schnitt gekennzeichnet wird, erkannt werden. Die Iridiumpunktquelle wird mittels Schrittmotor ferngesteuert und automatisiert über Verbindungsschläuche sukzessive in diese Röhrchen eingeführt. Man nennt den Vorgang «remote controlled afterloading», weil das Beladen der Plastikröhrchen erst nach ihrer Plazierung im Gewebe erfolgt, im Gegensatz zur früheren Plazierung durch den Arzt selbst. Der Eingriff erfolgt also ohne Strahlenbelastung der Therapeuten. Radio-Onkologie: Die interstitielle Brachytherapie als interventionelle Radiotherapie

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