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Pathologie: Vom HE-Schnitt zur Genbande und zurück
Author(s) -
G Cathomas
Publication year - 2006
Publication title -
swiss medical forum ‒ schweizerisches medizin-forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4020
pISSN - 1424-3784
DOI - 10.4414/smf.2006.05748
Subject(s) - philosophy , physics
Es ist immer wieder erstaunlich, dass selbst gestandene klinische Kollegen noch im Jahre 2005 beim Begriff «Pathologie» zuerst an die Autopsie denken. Dies steht ohne Zweifel in starkem Gegensatz zum klinischen Alltag in einem modernen Institut für Pathologie, wo Zehntausende von Biopsien und Zytologien wenigen hundert (wenn überhaupt) Autopsien gegenüber stehen. So gesehen steht auch die klinische Pathologie richtigerweise ganz im Dienste des individuellen Patienten, um durch gezielte Untersuchungen rasch zu einer Diagnose zu gelangen und den Patienten der geeigneten Therapie zuführen zu können. Wie überall in der Medizin hat auch in der Pathologie der gewaltige Zuwachs an Wissen über die pathogenetischen Zusammenhänge, aber auch die ständig zunehmenden technischen Möglichkeiten, die Arbeit nachhaltig beeinflusst. Deshalb sollte der Bericht eines Befundes aus der Pathologie nach Möglichkeit nicht nur streng diagnostische, sondern auch prognostische und prädiktive Information enthalten. Es leuchtet ein, dass die Diagnose eines kleinzelligen Karzinoms an einer Lungenbiopsie auch erhebliche prognostische und prädiktive Informationen beinhaltet. Wie weit aber sind Zusatzuntersuchungen nützlich und wünschenswert oder sogar notwendig, um die maximale Information für den Patienten zu erhalten? Auch heute noch lassen sich bei 80% und mehr der Gewebeproben in der klinischen Pathologie mit einer einfachen HE-Untersuchung und wenigen konventionellen Zusatzfärbungen eine sichere Diagnose stellen. Die Diagnose einer akuten ulzero-gangränösen Appendizitis hat einen eindeutigen diagnostischen, prognostischen und prädiktiven Aussagewert für den Patienten. Das sorgfältige Handwerk in der makroskopischen und mikroskopischen Beurteilung hat unverändert einen hohen Stellenwert, wie sich gut am Beispiel des Rektumkarzinoms illustrieren lässt: Die fachgerechte makroskopische Aufarbeitung eines totalen mesorektalen Operationspräparates eines Rektumkarzinoms lässt die Vollständigkeit der Karzinomresektion mit einer derart grossen Sicherheit voraussagen, dass auf eine adjuvante Radiotherapie verzichtet werden kann, ohne den Patienten oder die Patientin einem erhöhten Lokalrezidivrisiko auszusetzen (Abb. 1 x) [1, 2]. Auch die Anzahl der untersuchten Lymphknoten hat einen direkten Einfluss auf die Prognose; nicht nur die manuelle Geschicklichkeit und Ausdauer des Chirurgen, sondern auch der Pathologin und des Pathologen haben daher einen unmittelbaren Einfluss auf die Prognose des Kolonkarzinoms [3]. Von den Zusatzuntersuchungen hat die Immunhistochemie seit vielen Jahren einen festen Stellenwert in der klinischen Pathologie und ist im Alltag nicht mehr wegzudenken. Die Vielzahl von Antikörpern, die auch am fixierten Gewebe angewendet werden können, erlaubt häufig eine genaue Diagnose der vorliegenden Läsion oder des vorliegenden Tumors und erlaubt zusätzlich auch, unerwartete Entitäten voneinander abzugrenzen (Abb. 2 x). Auch prognostische Marker wie zum Beispiel die Hormonrezeptoren beim Mammakarzinom oder prädiktive Marker können mit hoher Zuverlässigkeit angewandt werden. Molekularpathologische Zusatzuntersuchungen schliesslich werden heute zunehmend eingesetzt und dürften zweifelsfrei in der Zukunft an Bedeutung noch weiter zunehmen. Klonalitätsanalysen bei unklaren lymphoproliferativen Erkrankungen oder der Nachweis spezifischer Translokationen bei hämatologischen Tumoren oder Weichteilsarkomen bilden heute zunehmend die entscheidende Grundlage einer definitiven Diagnose. Beispielhaft aufgeführt sei hier das Synovialsarkom, ein Tumor, der, anders als sein Name vermuten lässt, nicht in Gelenken, Pathologie: Vom HE-Schnitt zur Genbande und zurück

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