Arterielle Hypertonie, Tachykardie und Schwitzen: Phäochromozytom - oder doch nicht?
Author(s) -
MC Sulz,
M Schmidli,
Michael Brändle
Publication year - 2005
Publication title -
swiss medical forum ‒ schweizerisches medizin-forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4020
pISSN - 1424-3784
DOI - 10.4414/smf.2005.05707
Subject(s) - political science
Im September 2003 wurde uns ein 34jähriger Patient mit bekannter schizophrener Psychose zur Hypertonieabklärung aus der Psychiatrischen Klinik zugewiesen. Seit fünf Monaten lagen ein arterieller Hypertonus und eine Tachykardie vor (Abb. 1 x); seit drei Monaten klagte der Patient über vermehrtes Schwitzen und eine ungewollte Gewichtszunahme von ungefähr 10 kg. Im Eintrittsstatus betrug der Blutdruck 150/ 100 mm Hg, die Herzfrequenz 110/min, das Gewicht 108 kg bei einer Körpergrösse 178 cm, was einem Body-Mass-Index von 34,1 kg/m2 entspricht. Die übrige klinische Untersuchung zeigte keine weiteren pathologischen Befunde, insbesondere keine aortalen Stenosegeräusche oder eine Blutdruckseitendifferenz. Leberwerte, Nierenfunktionsparameter und Elektrolyte, TSH, Aldosteron, Renin und die Cortisolmenge im 24-Stunden-Urin bewegten sich im Normalbereich. Im Rahmen der weiteren Abklärungen der arteriellen Hypertonie fielen im 24-Stunden-Sammelurin wiederholt deutlich erhöhte Noradrenalin(1218, 1394, 1081 nmol/24 h; Norm: <473 nmol/ 24 h) und Normetanephrinwerte (7151 nmol/ 24 h; Norm: 580–1930 nmol/24 h) auf. Die anderen Urinkatecholaminkonzentrationen (Adrenalin, Metanephrin, Dopamin und Vanillinmandelsäure) waren normal. Aufgrund der Symptome, der arteriellen Hypertonie und der wiederholt erhöhten Katecholaminkonzentration im Urin stellten wir die Verdachtsdiagnose eines Phäochromozytoms. Die thorako-abdomino-pelvine Computertomographie (CT) und die 123-Iod-meta-Iodobenzylguanidin-Szintigraphie (MIBG-Szintigraphie) im Rahmen der Phäochromozytom-Lokalisationsdiagnostik ergaben jedoch keine Hinweise auf ein Phäochromozytom. Aufgrund der Erfahrung, dass eine Phäochromozytomdiagnostik unter Umständen schwierig sein kann, war ein Phäochromozytom trotz negativer Bildgebung zwar unwahrscheinlich, aber auch nicht ganz ausgeschlossen. Deshalb wurde ein ClonidinHemmtest zur Bestimmung von Plasmanormetanephrin und Plasmametanephrin durchgeführt. Dabei fielen die Plasmanormetanephrinwerte nach der Einnahme von Clonidin im Vergleich zum Basalwert um mehr als 50% ab, womit ein Phäochromozytom praktisch ausgeschlossen werden konnte (Abb. 2 x). In Anbetracht der Psychopharmakamedikation des Patienten (Quetiapin [Seroquel®], Chlorprothixen [Truxal®], Zuclopenthixol [Clopixol®], Olanzapin [Zyprexa Velotab®], Biperiden [Akineton retard®]) dachten wir differentialdiagnostisch an die Möglichkeit eines medikamentenArterielle Hypertonie, Tachykardie und Schwitzen: Phäochromozytom – oder doch nicht?
Accelerating Research
Robert Robinson Avenue,
Oxford Science Park, Oxford
OX4 4GP, United Kingdom
Address
John Eccles HouseRobert Robinson Avenue,
Oxford Science Park, Oxford
OX4 4GP, United Kingdom