Diabetologie: Was lange währt wird endlich gut?
Author(s) -
Barbara Felix
Publication year - 2004
Publication title -
swiss medical forum ‒ schweizerisches medizin-forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4020
pISSN - 1424-3784
DOI - 10.4414/smf.2004.05401
Subject(s) - gynecology , political science , humanities , medicine , philosophy
In ganz ungewohntem Tempo wurde in diesem Jahr in der Schweiz als erstem Land in Europa das zweite Basalinsulinanalogon Levemir® eingefuhrt. Auf Lantus® hatten wir zwei Jahre warten mussen, bis der ungeheure Bedarf der USA und Europas gestillt und eine neue Fabrik gebaut worden waren. Glaubt man gut geschulten Pharmareferenten und bunten Hochglanzbroschuren, brechen nun goldene Zeiten fur unsere insulinbedurftigen Diabetiker an – Einmalgabe, weniger Hypoglykamien, kaum Gewichtszunahme, leichte Handhabung und das HbA1c unter 7% endlich in greifbarer Nahe. Kein Wunder, dass bei diesen Erwartungen die Markteinfuhrung von Lantus® in den USA nur noch von Viagra® ubertroffen wurde. Der Stellenwert der neuen Basalinsulinanaloga fur den Typ-1-Diabetes ist weitgehend unumstritten. Auch wenn haufig die wunderbare Verbesserung der HbA1c-Werte ausbleibt oder deutlich geringer ausfallt als erwartet, ist die Hypoglykamierate in Studien und im klinischen Alltag geringer, und Patienten und Arzte berichten uber eine deutlich stabilere Stoffwechsellage, welche auch eine aggressivere Insulindosierung zulasst. Dennoch konnten wir im letzten Jahr nach dem monatelangen Ausfall der Semilente®-Produktion sehen, dass die neuen Basalinsuline auch beim Typ-1-Diabetes nicht fur alle Patienten geeignet sind. Vor allem diejenigen, welche einen ausgepragten Blutzuckeranstieg am Morgen aufweisen (Dawn-Phanomen) oder starke Tag-NachtUnterschiede im Basalinsulinbedarf, benotigen weiterhin zwei Injektionen oder den Einsatz von Semilente®. Obwohl sich Levemir® im klinischen Alltag beim Typ-1-Diabetes erst noch seinen Platz neben Lantus® suchen muss, mochten wohl weder Arzte noch Patienten die neuen Basalinsuline als weitere attraktive Alternative nicht missen. Bedenken Sie jedoch bei jedem Wechsel von seit Jahrzehnten bewahrten Praparaten auf eines der neuen Analoginsuline, dass hier keine Langzeitdaten vorliegen und die meisten unserer Patienten noch Jahrzehnte ihres Lebens und eventuell noch die ganze Familienplanung vor sich haben ... Sowohl bei uns Arzten als auch bei der Pharmaindustrie liegt das Hauptaugenmerk jedoch bei den Typ-2-Diabetikern, von denen Jahr fur Jahr weltweit Millionen insulinbedurftig werden und lebenslang bleiben. – Haben die neuen Basalinsuline auch im klinischen Alltag das Leben von Patienten und Arzten leichter gemacht und die Blutzuckereinstellung verbessert? – Rechtfertigen die Ergebnisse die Erwartungen und die deutlichen Mehrkosten? – Konnen die neuen Insuline die Hauptprobleme bei der Insulintherapie des Typ-2Diabetes losen? – Braucht der ubergewichtige, insulinresistente Patient uberhaupt ein 24-StundenBasalinsulin?
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