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Of Pig and Men - Wenn Fusionen spalten
Author(s) -
BC Baumann,
JD Seebach
Publication year - 2004
Publication title -
swiss medical forum ‒ schweizerisches medizin-forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4020
pISSN - 1424-3784
DOI - 10.4414/smf.2004.05330
Subject(s) - philosophy , xenotransplantation , gynecology , medicine , transplantation , surgery
Der Mangel an Organen ist ein grosses Problem in der Transplantationsmedizin. Die Xenotransplantation, die Verpflanzung von tierischen Organen auf den Menschen, konnte diesen Engpass beheben, wobei Abstossungsreaktionen das grosste Problem darstellen. Gefurchtet sind auch sogenannte Zoonosen, z.B. die Ubertragung porziner endogener Retroviren (PERV) auf den Menschen. Eine Publikation von Forschern aus der Mayo-Klinik sorgt nun fur neuen Diskussionsstoff. Humane Knochenmarkzellen konnen mit geschadigten oder virusinfizierten somatischen Zellen verschmelzen und dadurch geschadigtes Gewebe reparieren. Ebenso konnen Zellen von Maus und Mensch miteinander fusionieren. Bislang war aber unklar, ob humane Zellen im lebenden Organismus mit Zellen einer anderen Spezies fusionieren konnen. Nun wird berichtet, dass menschliche Knochenmarkzellen nach der Verabreichung in die Blutbahn fotaler Schweine mit porzinen Zellen zu lebensfahigen Hybriden fusionierten. Uber ein Jahr lang fand sich ein Chimarismus, d.h. eine Koexistenz von Schweineund Menschenzellen, 0,1% der Zellen im Schweineblut enthielten in ihren fusionierten Zellkernen humane und porzine DNA (Abb. 1 x). Diese Hybridzellen teilten sich normal, exprimierten humane und porzine Proteine, wenige wanderten auch in Korpergewebe ein. Beunruhigend war jedoch, dass die Hybridzellen auch PERV-DNA enthielten und diese auch an eine humane Zelllinie weitergaben. Somit steht fest, dass humane und porzine Zellen in vivo tatsachlich fusionieren, und dass dies zu einer Ubertragung von Retroviren im Reagenzglas fuhren kann. Es bleiben aber einige ungeklarte Fragen. Zur Analyse der Hybridzellen wurden Immortalisierungstechniken verwendet, die die Zellen veranderten. Zudem standen nur sehr wenige Versuchstiere zur Verfugung. Entscheidend ist aber, dass eigentlich ein verkehrtes Modell verwendet wurde, da ja im Fall einer klinischen Xenotransplantation Schweinezellen in den Menschen ubertragen wurden und nicht umgekehrt. Schliesslich entspricht die Injektion von Stammzellen in einen fotalen Organismus nicht dem erstrebten Ansatz bei einer Xenotransplantation. Zusammenfassend demonstriert diese Arbeit zwar Zellfusionen zwischen Mensch und Schwein sowie die Ubertragung endogener Viren auf eine Zelllinie, es bleibt aber nach wie vor vollig offen, ob diese Fusionen und Viren auch gefahrlich sind. Ein moglicher Ausweg fur die potentielle Gefahr der Ubertragung von PERV konnte mit der Zuchtung von Schweinen, die frei von ubertragbaren Retroviren sind, bereits aufgezeigt werden. Sicherlich fuhren diese neuen Fusionsdaten zu keiner Spaltung der Forschergemeinde. Den einen gilt diese Studie als weiterer Ruckschlag fur die Xenotransplantation, den anderen als Ansporn, ihre Forschungsanstrengungen auf diesem Gebiet weiterzuverfolgen.

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