Pharmazeutische Medizin: 250 Jahre klinische Arzneimittelforschung - 5 Jahre Pharmazeutische Medizin in der Schweiz
Author(s) -
P Kleist
Publication year - 2003
Publication title -
swiss medical forum ‒ schweizerisches medizin-forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4020
pISSN - 1424-3784
DOI - 10.4414/smf.2003.05068
Subject(s) - philosophy
Im Jahr 1747 startet der schottische Chirurg James Lind ein Experiment mit historischer Bedeutung: Auf einer Schiffsreise wählt er 12 Seeleute mit Skorbut aus und bildet 6 Gruppen mit jeweils 2 Personen, die während einer Woche unterschiedliche Diäten oder Behandlungen erhalten. Als Kontrolle dient die Verabreichung von Meerwasser. Lediglich die beiden Vertreter der «Zitrusgruppe», die täglich 2 Orangen und eine Zitrone erhalten, zeigen anschliessend eine Verbesserung der Symptome und werden wieder dienstfähig. James Linds Abhandlung über Skorbut, die 1753 veröffentlicht wurde [ 1], stellt nicht nur den Beginn der Vitamin-Forschung dar, sondern ist gleichzeitig auch die erste publizierte Vergleichsstudie und der erste dokumentierte Einsatz einer nicht wirksamen Kontrollbehandlung. Natürlich hat die Erforschung von Arzneimitteln in den 250 Jahren danach rapide Fortschritte gemacht. Aber erst in den letzten 2 Jahrzehnten wurden hohe methodologische und ethische Standards für Arzneimittelstudien entwickelt, die ihren Ausdruck in den bestehenden Richtlinien der weltweit führenden Gesundheitsbehörden finden [ 2]. Die Entwicklung von Arzneimitteln ist zu Beginn des 21. Jahrhunderts komplex und stark reguliert. Nicht selten gehen heute 10000– 15000 Patienten in weltweit laufende, zulassungsrelevante klinische Studien ein. Bei generell abnehmenden Entwicklungszeiten und steigenden Anforderungen der Behörden an die Studiendurchführung wird auch der Anspruch an das medizinische Management zunehmend grösser. Massnahmen zur Gewährleistung der Arzneimittelsicherheit, die anhaltende Beurteilung des Nutzen/Risiko-Verhältnisses eines Arzneimittels, dessen klinische Weiterentwicklung und der Umgang mit Fragestellungen der Evidenz-basierten Medizin und der Sozioökonomie setzen jedoch auch nach der Marktzulassung medizinisches Wissen, Erfahrung und die Wahrnehmung von ärztlicher Verantwortung voraus. Die Bemühungen der 1997 gegründeten Schweizerischen Gesellschaft für Pharmazeutische Medizin (SGPM), die Bedeutung und Eigenständigkeit der genannten Aspekte hervorzuheben, führten dazu, dass die Pharmazeutische Medizin ab dem 1. Januar 1999 mit Zustimmung der Ärztekammer eine offiziell anerkannte Weiterbildung wurde. Damit wurde den Ärztinnen und Ärzten in der Schweiz – als erstem Land in Europa – die Möglichkeit eröffnet, einen Facharzttitel Pharmazeutische Medizin zu erwerben.
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