Geriatrie: Vitamin D neu entdeckt
Author(s) -
M Conzelmann
Publication year - 2003
Publication title -
swiss medical forum ‒ schweizerisches medizin-forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4020
pISSN - 1424-3784
DOI - 10.4414/smf.2003.05059
Subject(s) - vitamin d and neurology , chemistry , biology , endocrinology
Im 17. Jahrhundert finden sich erste Publikationen, welche die Rachitis als eigenes Krankheitsbild beschreiben. Im 19. Jahrhundert wurde der Zusammenhang zwischen fehlendem Sonnenlicht und dem Auftreten der Rachitis erkannt, und zu Beginn des 20. Jahrhunderts fasste die Erkenntnis Fuss, dass durch Sonnenlicht bzw. UV-Exposition oder durch Einnahme von Fischöl die «Englische Krankheit» behandelt oder vorgebeugt werden kann. Die chemische Charakterisierung (um 1930) und der Nachweis (um 1970) von 1,25-Dihydroxy-Vitamin-D als aktivem Metabolit schlossen das Bild bezüglich der klassischen Wirkung von Vitamin D auf Knochen, Nieren und Darm vorerst ab. Ein neues Kapitel in der Vitamin-D-Geschichte wurde eröffnet mit den Publikationen von Chapuy [1] und anderen, die nachweisen konnten, dass bei älteren Personen durch Supplementation von Vitamin D und Kalzium das Risiko, eine hüftnahe Femurfraktur zu erleiden, gesenkt werden konnte. Es fand sich gegenüber den später publizierten Studien mit Alendronat und Risedronate eine vergleichbare Reduktion des Frakturrisikos, obwohl die Knochendichte unter Biphosphonat-Therapie in grösserem Ausmass als unter Vitamin D/Kalzium zunahm. Dies führte Ende der 90er Jahre zur Erkenntnis, dass der frakturverhütende Effekt von Vitamin D und Kalzium nicht allein über die verbesserte Knochendichte zu erklären war. Eine Wirkung von Vitamin D auf die Muskulatur konnte vermutet werden. Es war doch auch seit langem bekannt, dass Patienten mit Rachitis oder Osteomalazie häufig Zeichen einer Myopathie aufwiesen. Schmerzen und Schwäche in der proximalen Muskulatur der unteren Extremitäten führten in manchen Fällen zur Unfähigkeit, Treppen zu steigen oder vom Stuhl aufzustehen. Das damit verbundene Gangbild wurde als «Watschelgang» bezeichnet. Diese Myopathie, die auch histologisch und elektromyographisch nachgewiesen werden konnte, war auf Gabe von Vitamin D reversibel.
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