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Passivrauch im Restaurant
Author(s) -
O Brändli,
M Adam,
P Fazzoletti,
N Künzli
Publication year - 2003
Publication title -
swiss medical forum ‒ schweizerisches medizin-forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4020
pISSN - 1424-3784
DOI - 10.4414/smf.2003.05017
Subject(s) - business
In der Schweiz, einem Land mit hoher Akzeptanz des Rauchens, leben ungefähr zwei Drittel Nichtraucher [1], welche in öffentlichen Räumen vielerorts dem Passivrauch ausgesetzt sind. Nachdem jahrzehntelang die gesundheitlichen Folgen von aktivem Rauchen durch die Tabakindustrie verschwiegen und auch bestritten wurden, wiederholt sich nun die Geschichte mit der Verharmlosung der Gefahren von Passivrauch. Dabei stellt Passivrauch die Hauptquelle für Innenraumluftbelastungen [2] dar und ist Ursache für akute und chronische Gesundheitsschäden. Die Neueinteilung von Passivrauch in die Klasse der humanen Karzinogene durch die WHO untermauert das gesundheitliche Risiko [3]. In der Schweiz wurden aufgrund fehlender Gesetzesgrundlagen die Rauchverbote in zahlreichen öffentlichen Gebäuden (z.B. öffentliche Verwaltung, Spitäler usw.) allesamt durch die Betreiber angebracht. Sie sind heutzutage in der Öffentlichkeit als Norm akzeptiert. Im Gastgewerbe hingegen gibt es aufgrund der nicht vorhandenen oder nur ungenügend umgesetzten Vorschriften praktisch nur amerikanische Restaurantketten, die rauchfrei sind. Eine Veränderung der Raucherund Nichtraucherstrukturen in Restaurationsbetrieben wird dabei vor allem durch die Betroffenen (Wirte, Konsumenten) selbst verhindert: Die Gastwirte, welche dem wirtschaftlichen Druck ausgesetzt sind, werden erst Anpassungen vornehmen, wenn ihnen klargemacht wird, dass Raucherregelungen nicht zwangsläufig negative Umsatzentwicklungen zur Folge haben und Schweizer Konsumenten sich Nichtraucherräume wünschen. Zusätzlich erschwert die Tabakindustrie als Hauptverlierer bei generellen Raucheinschränkungen diesen Umstrukturierungsprozess, indem sie das Gastgewerbe als ihren Interessensvertreter auch mit nicht objektivierbaren Argumenten an sich bindet [4]. Die Mehrheit der Konsumenten selber fühlt sich zwar durch das Rauchen anderer belästigt und wünscht sich getrennte Lokalitäten; sie zögert aber gleichzeitig mit der Forderung nach klaren Regelungen – respektive akzeptiert die seitens der Tabakindustrie seit Jahren verbreitete Botschaft der «Toleranz» im Sinne der Selbstbestimmung der Konsumenten als Lösungsmodell [5]. Dass dem Passivrauch in der Öffentlichkeit noch immer nicht die Bedeutung als gesundheitsschädigende Ursache zugemessen wird, welche aufgrund der wissenschaftlichen Erkenntnisse offensichtlich wäre, ist wohl auch eine Ursache für den momentanen Regelungszustand [6, 7]. Immerhin 40% der Befragten in einer Basler Studie waren sich im Unklaren über den wissenschaftlich erhärteten Zusammenhang zwischen Passivrauchexposition und Lungenkrebs [8, 9]. Diese Konstellation bewirkt, dass das Angebot an attraktiven Nichtraucherlokalen nach wie vor sehr limitiert ist. Nichtraucher sowie insbesondere die Angestellten sind im Gastgewerbe gezwungenermassen dem Passivrauch ausgesetzt [10].

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