Die ausserhalb des Spitals erworbene Pneumonie
Author(s) -
Rudolf Speich
Publication year - 2003
Publication title -
swiss medical forum ‒ schweizerisches medizin-forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4020
pISSN - 1424-3784
DOI - 10.4414/smf.2003.05016
Subject(s) - medicine , gynecology
Ein Artikel über Pneumonie könnte in einem Satz abgehandelt werden: Man verordne bei akutem Husten das neueste Fluorchinolon. Leider ist die Angelegenheit nicht so einfach. In den letzten Jahren wird ein epidemischer Anstieg des antibiotikaresistenten Streptococcus pneumoniae beobachtet [1]. So beträgt die Häufigkeit von Isolaten mit verminderter Empfindlichkeit auf Penicillin zwischen 24% in den USA und 70% in Korea. Die Häufigkeit von vollständig resistenten Keimen in diesen Ländern ist 14% beziehungsweise 33%. In der Schweiz sind immerhin 12% der S. pneumoniae vermindert empfindlich und 4% vollständig resistent. Fast die Hälfte dieser Keime zeigt auch eine Multiresistenz. Es ist erwiesen, dass eine vorgängige Antibiotikatherapie der wichtigste Risikofaktor für das Auftreten eines antibiotikaresistenten S. pneumoniae darstellt. Dies konnte besonders eindrücklich für die Makrolide [2] und die Fluorchinolone [3] gezeigt werden, indem ein bis zwei Jahre nach der Markteinführung und in Korrelation mit der Verschreibungshäufigkeit auch die Häufigkeit der Resistenzen auf diese Antibiotika auftraten. Eine weitere Tatsache ist, dass die meisten Verschreibungen für Antibiotika in der ambulanten Praxis für respiratorische Infekte erfolgen. In einer Studie aus den USA waren es bis zu 75% aller Antibiotikaverschreibungen pro Jahr [4]. Etwa 76 Millionen AmerikanerInnen, das heisst ein Drittel der gesamten Bevölkerung, suchen jedes Jahr ihren Hausarzt wegen eines akuten respiratorischen Infektes auf. Die wenigsten davon haben eine Pneumonie beziehungsweise einen durch Bakterien bedingten Infekt. Trotzdem erhielten mehr als die Hälfte Antibiotika. Konservativ geschätzt waren etwa 55% der Verschreibungen nicht indiziert, woraus unnötige Kosten von 726 Millionen US-Dollar resultierten [5]. Die Konsequenz dieser Überlegungen wäre, dass Antibiotika bei respiratorischen Infekten möglichst gezielt und nur bei erwiesener Indikation eingesetzt werden sollten. Das bedingt einerseits eine klare Diagnosestellung, und anderseits eine gewisse Disziplin, bei fehlender Indikation für eine Antibiotikatherapie auch auf eine solche zu verzichten. Häufig wird aber argumentiert, dass gerade letzteres infolge der starken Erwartungshaltung vieler PatientInnen, auch beim geringsten Husten gleich Antibiotika verschrieben zu bekommen, in der Praxis oft schwierig zu verwirklichen sei. Eine Studie hat aber gezeigt, dass in dieser Situation die PatientInnenzufriedenheit nicht so sehr durch die Tatsache, ob Antibiotika verabreicht wurden oder nicht, bestimmt ist, sondern dadurch, ob sich die Ärztin oder der Arzt genügend Zeit genommen hatte, und ob die Patientin oder der Patient die ärztliche Entscheidung verstanden hatte [6].
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