Bakteriell bedingte Geschlechtskrankheiten: Teil 1
Author(s) -
Stephan Lautenschlager
Publication year - 2003
Publication title -
swiss medical forum ‒ schweizerisches medizin-forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4020
pISSN - 1424-3784
DOI - 10.4414/smf.2003.04978
Subject(s) - computer science
Das Ulcus molle (Chancroid) wird durch Hämophilus ducreyi – ein gramnegatives, fakultativ anaerobes Bakterium verursacht. Exakte Daten zur Epidemiologie sind weltweit in Folge der erschwerten Erregerkultur nicht erhältlich und möglicherweise wird die Verbreitung unterschätzt. Weitverbreitet ist die Infektion in Afrika, in der Karibik und in Asien, wo sie mehrheitlich sozial tiefer gestellte Gruppen betrifft. Insbesondere Asien weist jedoch in den letzten Jahren eine rückläufige Inzidenz auf. Ausbrüche wurden in den letzten Jahren in den grösseren Städten der USA registriert, wobei das Ulcus molle ungefähr zehnmal seltener vorkommt als die Syphilis [1]. In den meisten Fällen der registrierten Ausbrüche konnten weibliche Prostituierte als Erregerreservoir identifiziert werden. Männer sind viel häufiger betroffen als Frauen. Nach einer Inkubationszeit von 3 bis 7 Tagen bildet sich ano-genital eine kleine Papel mit erythematösem Hof, die sich innerhalb der nächsten 2 bis 3 Tage in eine schmerzhafte Ulzeration umwandelt. Die Wundränder sind häufig aufgeworfen und unterminiert und der Ulkusgrund ist mehrheitlich grau-gelblich belegt. Das Ulkus weist einen charakteristisch weichen Palpationsbefund und bei Berührung eine schnelle Blutungstendenz auf. Die Hälfte der Patienten weist einen isolierten Befund auf, der in der Grösse von 1 mm bis 2 cm variieren kann. Mehrheitlich sind die Ulzera am Präputium, Frenulum oder an der Glans lokalisiert. Selten finden sich Manifestationen urethral, die zu einer purulenten Urethritis führen können. Eine schmerzhafte inguinale Lymphadenitis (Bubo) besteht nach durchschnittlich einer Woche bei der Hälfte der Patienten. Typischerweise ist die darüber liegende Haut erythematös, gelegentlich kommt es zur Spontanruptur. Bei Frauen ist die Ausbildung einer Lymphadenitis seltener zu finden und die Ulzera weisen eine Prädilektionsstelle für die Vulva (Abb. 1), speziell Fourchette, Labia minora und Vestibulum auf. Zervikale, vaginale oder extragenitale Läsionen kommen seltener vor. Das klinische Bild und die Ulkusgrösse können stark variieren [1]. Neben sehr kleinen isolierten Herden können multiple herpetiforme Ulzerationen mit oder ohne Lymphadenopathie, transiente Ulzera mit einer Abheilung innerhalb von 4 bis 6 Tagen mit nachfolgender inguinalen Lymphadenitis, oder follikuläre, sehr grosse, destruierende phagedänische (Ulcus molle gangraenosum) sowie papulöse, exophytisch wachsende Varianten bestehen.
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