Interaktionen zwischen Phytopharmaka und Arzneimitteln
Author(s) -
Karin Fattinger,
A MeierAbt
Publication year - 2003
Publication title -
swiss medical forum ‒ schweizerisches medizin-forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4020
pISSN - 1424-3784
DOI - 10.4414/smf.2003.04928
Subject(s) - philosophy
In der Phytotherapie verwendete Pflanzenteile enthalten verschiedenste Wirkund Begleitstoffe. In unserem Körper existieren mehrere Schutzsysteme, welche uns vor den mit der Nahrung aufgenommenen Giften schützen. Hierzu gehören einerseits die Gifte und Pharmaka abbauenden Enzymsysteme in Leber und Darm, wie z.B. die verschiedenen P450-Isoenzyme, welche wir vor allem vom Arzneimittelmetabolismus her kennen (Abb. 1). Andererseits sorgen auch Arzneimitteltransporter in Darm und Leber dafür, dass viele Fremdstoffe aus den Darmepithelzellen zurück in das Darmlumen transportiert bzw. aus den Leberzellen in die Galle sezerniert und dann mit dem Stuhl ausgeschieden werden [1]. Der bisher am besten untersuchte derartige Arzneimitteltransporter ist das P-Glykoprotein oder «Multidrug Resistance Protein» MDR1, welches zur Superfamilie der ABC (ATP-Binding Cassette) Transportproteine gehört und in Abhängigkeit von Adenosintriphosphat (ATP) verschiedene Xenobiotika wie z.B. Cyclosporin A, Dexamethason, Digoxin, Doxorubicin, Etoposid, Ivermectin, Ondansetron, Paclitacel und Vinblastin transportiert [2–5]. Inhaltsstoffe phytomedizinischer Präparate können die Funktion und/oder die Expression derartiger Entgiftungssysteme verändern. Dies kann in der Folge zu Interaktionen mit gleichzeitig eingenommenen Arzneimitteln führen. So führt eine Hemmung oder eine verminderte Expression der P450-Isoenzyme und/oder des P-Glykoproteins in Darm und Leber für gewisse Medikamente zu einer höheren Bioverfügbarkeit (d.h. ein grösserer Anteil des Wirkstoffs erreicht den systemischen Kreislauf) und zu einer verminderten Arzneimittelausscheidung, was dann zu einer verstärkten Arzneimittelwirkung führen kann (Abb. 1, Mitte). Fremdstoffe können den Körper aber auch zu einer vermehrten Produktion (Induktion) dieser Abwehrsysteme veranlassen und dadurch die präsystemische Ausscheidung gleichzeitig verabreichter Arzneimittel erhöhen und die Bioverfügbarkeit vermindern und/oder die systemische Arzneimittelausscheidung steigern und so deren Wirkung abschwächen (Abb. 1, unten). Zusätzlich besteht noch die Möglichkeit, dass Phytotherapeutika und herkömmliche Arzneimittel sich gegenseitig in der Pharmakodynamik (d.h. direkt am Wirkort) beeinflussen – wie z.B. im Falle einer verstärkten Sedation bei gleichzeitiger Einnahme eines beruhigenden Phytopharmakons und eines herkömmlichen Schlafmittels. Im folgenden werden einige Beispiele von Arzneimittelinteraktionen von Phytopharmaka vorgestellt. Es gilt dabei zu beachten, dass die Zulassungsbedingungen bei Phytopharmaka deutlich weniger streng sind als bei herkömmlichen Arzneimitteln. Entsprechend liegen bei der Markteinführung von Phytopharmaka oft keine oder nur ungenügende Daten zum Interaktionspotential vor. Deswegen basieren viele der unten diskutierten Interaktionen ausschliesslich auf Fallberichten. Die zugrundeliegenden Mechanismen sind häufig schlecht untersucht und können oft nur vermutet werden.
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