Kindsmisshandlung - verpasse ich etwas?
Author(s) -
M Doutaz,
J Spalinger
Publication year - 2003
Publication title -
swiss medical forum ‒ schweizerisches medizin-forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4020
pISSN - 1424-3784
DOI - 10.4414/smf.2003.04874
Subject(s) - gynecology , philosophy , humanities , medicine
Der Schutz von Kindern ist in unserer Gesellschaft eine der wichtigsten Aufgaben und liegt in der Verantwortung jedes einzelnen, aber auch bei allen Institutionen und Fachpersonen, die mit Kindern zu tun haben. So gehort Kinderschutzarbeit zum Leistungsauftrag einer Kinderklinik und wird dort in der Regel durch professionelle Kinderschutzgruppen wahrgenommen. Innerhalb der Medizin ist Kinderschutz keine Spezialdisziplin, sondern eine gemeinsame Aufgabe verschiedener Fachgebiete mit dem Ziel, interdisziplinar Losungen zu erarbeiten. Kinderschutz setzt ein multidisziplinares Vorgehen voraus und kann nie im Alleingang erfolgen. Die Herausforderung fur den niedergelassenen Arzt liegt in der fruhzeitigen Erkennung und damit in der Pravention der schwerwiegenden Folgen. Unter Kindsmisshandlung wird eine nicht zufallige, bewusste oder unbewusste korperliche und/oder seelische Schadigung eines Kindes verstanden, die zu Verletzungen, Entwicklungshemmungen oder zum Tode fuhrt. Obwohl das Phanomen der Kindsmisshandlung so alt wie die Menschheit ist, wurde der Begriff «the battered child» erst 1962 in der medizinischen Literatur von H. Kempe gepragt [1]. Kempe beschrankte sich auf eine Befundkonstellation, die dem heutigen Spektrum der Kindsmisshandlung nicht mehr gerecht wird. Anstelle von «battered child» spricht man heute von «nicht-akzidenteller Verletzung im Kindesalter» (non accidental injury) [2]. Der Begriff «nicht-akzidentelle Verletzungen» beinhaltet alle mechanischen Formen der Kindsmisshandlung wie korperliche Misshandlung, Schutteltrauma oder Verbrennungen. Obwohl korperliche Befunde haufig Anlass zum Verdacht einer Kindsmisshandlung geben, sind andere, weniger bekannte Misshandlungsformen wie psychische Misshandlung, Vernachlassigung und sexuelle Ausbeutung insgesamt haufiger anzutreffen. Trotz der grossen Beachtung in den Medien bleibt Kindsmisshandlung eine traurige Realitat mit einer hohen Dunkelziffer. Die Zunahme der Kinderschutzfalle um 10%, wie sie z.B. das Kinderspital Zurich fur das Jahr 2001 verzeichnet, basiert nicht auf einer reellen Zunahme der Fallzahlen, sondern ist vielmehr Folge einer erhohten Sensibilisierung und Aufmerksamkeit von Fachleuten [3]. Der vorliegende Beitrag soll eine Ubersicht uber die Formen der Kindsmisshandlung vermitteln, Verdachtsmomente beschreiben und den Umgang mit dem heiklen Thema der Kindsmisshandlung erlautern.
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