Anämieabklärung (Teil 1)
Author(s) -
PE Peghini,
J Fehr
Publication year - 2002
Publication title -
swiss medical forum ‒ schweizerisches medizin-forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4020
pISSN - 1424-3784
DOI - 10.4414/smf.2002.04633
Subject(s) - psychology
Das Symptom Anämie ist häufig. Die Mehrheit der Anämien kann auf einige wenige Ursachen zurückgeführt werden. Bei «unklarer» Anämie ist die Differentialdiagnose jedoch breit. Häufig stellt sich auch die Frage, ob bei einer bekannten Erkrankung eine Anämie als Begleitsymptom angesehen werden darf oder ob sie gesondert abgeklärt werden muss. In diesem Sinne möchten wir in diesem und einem Folgeartikel einen Vorschlag machen, wie das Gros der Anämien ökonomisch abgeklärt werden kann und woran bei unklaren Zuständen gedacht werden muss. Eine tiefergehende Abhandlung der einzelnen Krankheitsbilder ist wegen ihrer Vielzahl in diesem Rahmen nicht möglich. Der Begriff Anämie bezeichnet eine Verminderung von Hämoglobinkonzentration, Hämatokrit oder Erythrozytenzahl. Da die Hämoglobinkonzentration die physiologisch wichtigste Grösse ist, stellt sie den sinnvollsten Parameter zur Feststellung einer Anämie dar. Anämie ist nicht eine Diagnose, sondern ein Symptom, dessen zugrundeliegende Ursache geklärt werden muss. Per definitionem liegt eine Anämie vor, wenn der Hämoglobin-Wert den unteren Normwert unterschreitet. Die Festlegung des unteren Normwerts ist jedoch nicht unproblematisch. Die wohl grösste Studie zu diesem Thema stellt der National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES II) dar [1]. Hier wurde in den USA eine bezüglich Alter, Ernährung und Wohnort repräsentative Stichprobe ausgesucht und Schwangere sowie Personen mit Eisenmangel, Hämoglobinopathie oder Porphyrinsynthesestörungen ausgeschieden. In den verbliebenen 11547 Probanden fand sich ein 95%-Referenzbereich mit einer HämoglobinUntergrenze von 132 g/L bei Männern und 117 g/L bei Frauen. Die Werte bei Schwarzen lagen etwa 50 g/L tiefer. Diese Werte liegen tiefer als jene, die von den meisten Laboratorien angegeben werden. Der Normwert sank bei Männern, nicht jedoch bei Frauen, nach dem 65. Lebensjahr ab. Ob die tieferen HämoglobinWerte im Alter ein physiologisches Phänomen darstellen oder durch eine höhere Prävalenz der Anämie bei älteren Patienten bedingt sind, bleibt kontrovers [2]. Wegen der höheren Prävalenz ernsthafter Erkrankungen darf jedoch auch beim älteren Patienten eine Anämie nicht leichtfertig als physiologischer Zustand abgetan, sondern die Möglichkeit, dass ein frühes Zeichen einer Erkrankung vorliegt, sollte erwogen werden, im Wissen, dass ein Teil der leichten Anämien im Alter ungeklärt bleibt.
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