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Der Arzt und der suizidale Patient - Teil 2. Praktische Aspekte
Author(s) -
Konrad Michel
Publication year - 2002
Publication title -
swiss medical forum ‒ schweizerisches medizin-forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4020
pISSN - 1424-3784
DOI - 10.4414/smf.2002.04598
Subject(s) - philosophy , psychology , medicine
Man muss sich vorstellen: In einer Krise oder bei einer länger dauernden depressiven Erkrankung ist der Gedanke an Suizid als möglicher Ausweg aus der unerträglichen Situation oder dem unerträglichen Zustand etwas sehr Persönliches, etwas, das man sich nicht so einfach von jemandem nehmen lassen will. Ein Mensch in der Krise wird die Gedanken an Suizid nicht einem andern Menschen zuliebe aufgeben, sondern nur, wenn er selber wieder lebenswerte Ziele sieht. Vor allem aber müssen wir berücksichtigen, dass suizidale Patienten ein stark angeschlagenes Selbstwertgefühl und die Tendenz haben, sich vor Angst aus weiteren Verletzungen vor der Umgebung (inkl. Arzt) zurückzuziehen. Nach einem Suizidversuch dachten bloss 10% der Patienten, ein Arzt hätte ihnen helfen können [1]. Die Hälfte sagte, niemand hätte helfen können – ein Hinweis darauf, dass ein Suizidversuch kaum bloss als Hilferuf verstanden werden darf. Der Patient wird nur über sich und seine Schwierigkeiten sprechen, wenn der Arzt ohne zu werten zuhören kann und dem Patienten genügend Raum lässt. Dies gilt übrigens generell für den Zugang zum Patienten mit psychischen oder emotionalen Problemen. Das Erfassen emotionaler Inhalte und einer depressiven Problematik hängt stark davon ab, wie sehr sich der Arzt auf den Patienten einstellen kann [2]. Die Vorstellung, das Gespräch über Suizid könnte bei einem gefährdeten Menschen eine Suizidhandlung erst recht auslösen, ist unbegründet, darin sind sich die Experten einig. Viel eher gilt, dass ein Mensch in der Krise eher Suizid begehen wird, wenn er niemanden hat, mit dem er über seine momentane Situation und über drängende Suizidgedanken sprechen kann. In der Exploration können die folgenden Fragen hilfreich sein: – «Hatten Sie in Ihrem Leben schon einmal Krisen oder psychische Probleme?» – «Geht es Ihnen manchmal so schlecht, dass Sie auch daran denken, das Leben habe keinen Sinn mehr?» – «Dachten Sie auch schon daran, mit dem Leben Schluss zu machen?» – «Haben Sie Vorstellungen, wie Sie dies tun würden?»

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