«Polymyalgia Rheumatica» - eine problematische Diagnose
Author(s) -
Felix Wermelinger
Publication year - 2002
Publication title -
swiss medical forum ‒ schweizerisches medizin-forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4020
pISSN - 1424-3784
DOI - 10.4414/smf.2002.04572
Subject(s) - polymyalgia rheumatica , medicine , giant cell arteritis , disease , vasculitis
1957 hat Barber den Begriff «Polymyalgia rheumatica» (PMR) für ein entzündliches Syndrom bei älteren Menschen geprägt. Dieses wird durch schwer lokalisierbare symmetrische Schmerzen im Schulterund Beckengürtel verbunden mit Steifigkeit, konstitutionelle Symptome sowie eine systemische Entzündungsreaktion charakterisiert. «Polymyalgie» widerspiegelt dabei die subjektive Lokalisation der Beschwerden in die Muskulatur sowie die anzutreffende Druckschmerzhaftigkeit der Oberarmmuskulatur. Bereits 1888 hat Bruce dieselbe klinische Beobachtung mit der Bezeichnung «senile rheumatic gout» versehen. In den 1940er und 50er Jahren haben verschiedene Autoren vor Barber das Syndrom mit je eigener Begriffsprägung beschrieben (Tabelle 1). Die Bezeichnung PMR hat sich schliesslich als Terminus für das beschriebene Syndrom weitgehend durchgesetzt. Parallel wurden seit den 1940er Jahren wiederholt Fälle von Riesenzellarteriitiden mit kraniellen Symptomen, begleitet von polymyalgischen Beschwerden, beschrieben. Die Beobachtung klinischer Übergänge von «reinen» Polymyalgien und kraniellen Arteriitiden in beide Richtungen haben zu neuen Begriffs-Schöpfungen und zum häufig synonymen Gebrauch von «Polymyalgia rheumatica» und Riesenzellarteriitis (RZA) geführt (Abb. 1, Tab. 1–3). Die begrifflichen Unschärfen setzen sich auch in verschiedentlich vorgeschlagenen Diagnoseund Klassifikationskriterien wie auch in der aktuellen Fachliteratur fort. So erscheint in den Kriterien für die «Polymyalgia rheumatica» von Bird et al. die «Arteriitis temporalis» unter anderem wieder als definierendes Element (Tab. 4, 5). Über die Beziehung beider Begriffe und weitere Differentialdiagnosen eines polymyalgischen Syndroms soll im weiteren unter anderem näher eingegangen werden. Die folgenden Ausführungen bezwecken, durch die Beleuchtung des überaus komplexen Hintergrundes zur kritischen Verwendung des Begriffes «Polymyalgia rheumatica» – der Diagnose? – anzuregen.
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