Vergesslich, verwirrt und verloren Demenz und Delirium: was ist relevant für den praktischen Arzt?
Author(s) -
C Hürny,
B Schwenk,
D Inglin
Publication year - 2002
Publication title -
swiss medical forum ‒ schweizerisches medizin-forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4020
pISSN - 1424-3784
DOI - 10.4414/smf.2002.04504
Subject(s) - philosophy , medicine
Vergessen ist ein alltägliches Phänomen. Vergessen ist sogar notwendig als Voraussetzung, um Neuem Platz machen zu können. Wir alle haben im Alltag Strategien entwickelt gegen das Vergessen, wir schreiben Einkaufslisten, wir machen Knoten in unsere Taschentücher. Unter Belastung vergessen wir mehr, unangenehme Dinge vergessen wir eher. Wenn die Vergesslichkeit zuund mit der Zeit ein Ausmass annimmt, das den Alltag erheblich stört und ein normales Leben beeinträchtigt oder gar verunmöglicht, wird sie zum Symptom, zum Leitsymptom einer unheimlichen, progredienten Krankheit, der Demenz. «Small world» («Ach wie ist die Welt doch klein!») sagt Koni Lang im gleichnamigen Roman von Martin Suter [1] zu einem Bekannten, dessen Namen er nicht erinnern kann und versteckt so seine sonst offensichtliche Vergesslichkeit, um sich nicht schämen zu müssen. Koni Lang leidet an einer Demenz, genauer an einer AlzheimerKrankheit. Das Bestreben, Vergesslichkeit zu verstecken, führt oft zu einer «Unterdiagnostizierung» der Demenz in Praxis und Klinik. So wie sich Betroffene und ihre Angehörigen über die Vergesslichkeit schämen, schämt sich auch die Gesellschaft ihrer dementen Mitglieder. Das Verhalten der Dementen macht sie gesellschaftsunfähig. Sie müssen institutionalisiert werden, weil zu nichts mehr nütz, nur noch Last. Auch in diesem Sinn wird die Welt des Dementen und seiner Angehörigen immer kleiner. Bis vor wenigen Jahren hat sich die medizinische Welt wenig um Demenzkranke gekümmert. Demente wurden und werden entwertend zu «Pflegefällen», deren Krankheit nicht behandelbar und für die Medizin nicht von Interesse ist. Durch die Entdeckung der Azetylcholinesterasehemmer, die bei einem Teil der Patienten die Symptome vorübergehend verbessern können, sind Demenz, der Demenzkranke und seine Angehörigen unvermittelt im medizinischen Scheinwerferlicht. Dies hat zu einer wesentlichen Verbesserung der Lebensqualität aller Beteiligten geführt. Demenz ist vorwiegend eine Alterskrankheit, aber nur ein Teil der alten und sehr alten Menschen sind dement. Nachfolgend wird im Überblick der Wissensstand bezüglich Epidemiologie, Differentialdiagnose und Diagnose, sinnvollen Abklärungen, Stellenwert der Memory-Kliniken, medikamentösen und psychosozialen Behandlungsstrategien dargelegt.
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