Hyperphagie und Hypersomnie
Author(s) -
ME Liechti,
E Achermann
Publication year - 2002
Publication title -
swiss medical forum ‒ schweizerisches medizin-forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4020
pISSN - 1424-3784
DOI - 10.4414/smf.2002.04437
Subject(s) - political science
Eine 65jährige Bäuerin wurde uns zugewiesen wegen zunehmender körperlicher Schwäche, geistiger Schwerfälligkeit und Verlangsamung. Fremdanamnestisch habe die Patientin die währschafte bäuerliche Küche immer geschätzt, in letzter Zeit seien jedoch eigentliche Fress-Attacken aufgetreten, in denen sie bis zu sechs Joghurts hintereinander und grosse Mengen fettiger Speisen verschlinge. So war das Körpergewicht innerhalb von sechs Monaten von 100 kg auf aktuell 115 kg angestiegen. In der gleichen Zeit war es zu vermehrter Vergesslichkeit, Antriebslosigkeit und Tagesmüdigkeit mit zahlreichen Phasen von kurzen Nickerchen gekommen, in denen neu auch lautes Schnarchen auftrete, das durch z.T. längere Atempausen unterbrochen werde. Abgesehen von den aktuellen Beschwerden war die Patientin immer gesund gewesen und hatte sieben Kinder grossgezogen. An operativen Eingriffen ist einzig eine Jahre zurückliegende Hysterektomie zu erwähnen. Im Status präsentierte sich eine 65jährige, wache, voll orientierte, adipöse Patientin (BMI 41 kg/m2) mit einem Blutdruck von 140/90 mm Hg und einem regelmässigen Puls von 80/min. Bei reinen Herztönen fand sich ein bandförmiges Systolikum über der Herzspitze, kardial war sie kompensiert, pulmonal und abdominal unauffällig. Es bestand eine beidseitige Gonarthrose. Im Habitus fielen eine stammbetonte Fettverteilung und ein leichter Stiernacken auf, im Rachen fanden sich weichteilbedingt enge Verhältnisse. Der neurologische Status war unauffällig. Die Blutuntersuchungen zeigten erhöhte Werte für den Nüchtern-Blutzucker (8,5 mmol/L), das HbA1C (7,6%), das Cholesterin (6,4 mmol/L) und die Triglyceride (3,2 mmol/L). Das Blutbild und das übrige Routinelabor, das EKG und das Thoraxröntgenbild waren unauffällig. Bei den beiden Hauptsymptomen Antriebslosigkeit und Gewichtszunahme dachten wir an eine Hypothyreose, wogegen jedoch der ausgeprägte Appetit und die regen Muskeleigenreflexe sprachen. Der TSH-Wert lag mit 0,91 mU/L im Sollwertbereich. Der angedeutete Stiernacken und die stammbetonte Adipositas liessen an ein Cushing-Syndrom denken. Der morgendliche Nüchtern-Kortisolwert lag jedoch mit 551 nmol/L im Normbereich, auch liess sich das Kortisol mit 1 mg Dexamethason gut supprimieren (25 nmol/L). Zum Ausschluss einer Akromegalie wurde das IGF-1 bestimmt. Auch dieser Wert war normal. Differentialdiagnostisch dachten wir bei Antriebslosigkeit und grossem Schlafbedürfnis an eine Depression. Die Stimmungslage der Patientin war jedoch ausgeglichen, und es fehlten sonstige, für ein depressives Geschehen typische Begleiterscheinungen. Im Mini-Mental-Status erreichte die Patientin 27 von 30 möglichen Punkten, und sie bekundete einzig beim Rückwärtsbuchstabieren eines Wortes Mühe, was die Diagnose einer beginnenden dementiellen Entwicklung zu wenig stützte. Im Epworth-Sleepiness-Score erreichte die Patientin 19 von 24 möglichen Punkten, was bei Schnarchern mit beobachteten Atempausen eine hohe Vortest-Wahrscheinlichkeit für ein obstruktives Schlafapnoe-Syndrom bedeutet. In der nächtlichen Pulsoxymetrie traten pro Stunde durchschnittlich 28 Episoden mit Sauerstoff-Sättigungsabfällen von Hyperphagie und Hypersomnie
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