Innere Medizin 2001
Author(s) -
V Briner
Publication year - 2001
Publication title -
swiss medical forum ‒ schweizerisches medizin-forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4020
pISSN - 1424-3784
DOI - 10.4414/smf.2001.04377
Subject(s) - philosophy
Für die Behandlung von Patienten mit lebensbedrohlichem Organversagen wurden seit Jahrhunderten diätetische und chirurgische Massnahmen mit dem Ziel durchgeführt, dem Organ den Rest erhaltener Funktion abzuringen und den Tod hinauszuschieben. 1933 beginnt die eigentliche Geschichte des Organersatzes, als die erste Leichenniere einem Kranken mit terminaler Niereninsuffizienz in Russland eingepflanzt wurde. Den Aufschwung der Transplantationsmedizin leitete dann die Entdeckung des HLA-Systems und der Immunosuppressiva ein. Die Unterdrückung der Abstossung einerseits und Zulassung genügender Abwehr bei Infektionen anderseits ist trotz der neuen Immunosuppressiva ein Balanceakt geblieben, während die operativ-technischen Probleme weitgehend gelöst worden sind. Die Transplantation von Niere, Leber, Herz, Lunge und Pankreas gehört heute zur Routinebehandlung. Angebot und Nachfrage divergieren aber. Die Zahl der Organspender geht stetig zurück und die Zahl der Patienten auf den Wartelisten steigt. Künstliche Organe konnten bisher keine in genügender Perfektion hergestellt werden und die Xenotransplantation ist mit immunologischen und infektiologischen Problemen behaftet. Die Stammzellforschung ist unter diesen Aspekten von grosser Bedeutung. Das Klonen des Schafes Dolly hat 1997 die Ära des reproduktiven Klonens eingeleitet. Der Kern einer befruchteten Eizelle wurde durch den Kern einer Euterzelle des Tieres Dolly ersetzt. Es entstand dadurch ein genetisch identisches Schaf wie Dolly mit lediglich grossem Altersunterschied. Dieses reproduktive Klonen (Abb. 1) ist in der Schweiz gesetzlich verboten. Für die Medizin vielversprechender scheint das therapeutische Klonen: Aus einer befruchteten, genetisch fremden Eizelle (Abb. 2) oder durch Kerntransfer aus einer somatischen Zelle z.B. einer Haarbalgzelle des erwachsenen Patienten und späteren Empfängers (Abb. 3) lässt man die Eizelle bis zur Blastozyste entwickeln. Die Zellen des wenige Tage alten «Frühembryos» sind pluripotent, mit der Möglichkeit, sich in vitro in über 200 Zelltypen zu differenzieren. Neue therapeutische Ansätze erwartet man für die Behandlung von Patienten mit Knochenmarkaplasie, Querschnittslähmung und des Diabetes mellitus. Die Implantation von Stammzellen in die Substantia nigra hat z.B. Parkinson-Symptome reduziert. Ob sich die Zellen nach der Transplantation in den verschiedenen Organen gleich wie in vitro verhalInnere Medizin 2001
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