Chirurgie 2001: Transatlantische, roboterassistierte Chirurgie
Author(s) -
M Decurtins
Publication year - 2001
Publication title -
swiss medical forum ‒ schweizerisches medizin-forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4020
pISSN - 1424-3784
DOI - 10.4414/smf.2001.04376
Subject(s) - medicine , general surgery
Neue elektronische Kommunikationstechnologien haben längst auch in die Medizin Einzug gehalten. So erlaubt die bereits weit verbreitete Telemedizin eine einfache, rasche und Distanz-unabhängige Verbreitung von Informationen, Kenntnissen und ermöglicht gerade im chirurgischen Sektor einen umfassenden Zugang zu Spezialistenmeinungen und dadurch das unverzügliche Einholen von kompetenten Zweitmeinungen. Die Telemedizin ermöglicht es, «Know-how» an die verschiedensten Orte zu bringen und sie unterstützt dadurch Lehre und Forschung, fördert aber auch Professionalität im diagnostischen wie therapeutischen klinischen Bereich. Von den telemedizinischen Technologien haben sich die Telekonsultation und das Teleteaching bereits etabliert. Weniger bekannt ist das Telementoring, das aus der Ferne Assistieren und Überwachen invasiver Tätigkeiten (zum Beispiel während einer laparoskopischen Operation) über einen on line Bildund Tonaustausch mit dem Operateur. Die nicht minder spektakulären Entwicklungen der Roboterund Computertechnologien haben parallel zu den oben aufgeführten Möglichkeiten der Telemedizin auch unbestrittene Fortschritte, zumindest für hochpräzise chirurgische Eingriffe, gebracht. Es kann daher nicht erstaunen, dass die Verknüpfung der Telemedizin mit der Roboterchirurgie nicht lange auf sich warten liess. Ermöglicht wurde dieser Schritt zur Telechirurgie durch die neue Datenübertragungstechnik ATM (asynchronous transfer mode). Diese Technologie erlaubt eine Bildübertragung über mehrere Tausend Kilometer mit einer Zeitverzögerung von lediglich 155 Millisekunden, was deutlich unter den 330 Millisekunden ist, welche nicht überschritten werden dürfen, ohne die Reaktion des Chirurgen zu beeinträchtigen. Damit wäre es theoretisch möglich, künftig in jedem Krankenhaus auch hochkomplexe (und nur von wenigen Chirurgen beherrschte) Eingriffe ferngesteuert durchzuführen. Im Nature [1] konnten wir am 27. September 2001 erstmals über eine erfolgreiche Operation lesen, welche gleichzeitig in New York und in Strassburg stattfand. Die Patientin, eine 68jährige Frau, lag narkotisiert im Operationssaal in Strassburg. Die (sterilen) Arme des Roboters wurden ihr in die Bauchhöhle eingeführt. Der Chirurg sass in New York an der Roboterkonsole und steuerte am Bildschirm die Roboterarme in Strassburg zu einer komplikationslosen laparoskopischen Cholezystektomie. Telemedizin und auch Roboterchirurgie verdienen es dank des offensichtlichen Potentials Abklärung und Behandlung unserer Patientinnen und Patienten weiter zu verbessern, gefördert zu werden. Gleichzeitig gilt es jedoch zu verhindern, dass beide Verfahren aufgrund ihres Vermarktungspotentials missbraucht, und dann nicht zum Wohle unserer Kranken, sondern aus Prestigegründen angeboten werden. In ganz besonders hohem Masse trifft das Gesagte auf die Telechirurgie zu. In der kleinen Schweiz werden noch heute spezialisierte Eingriffe an zu vielen Krankenhäusern durchgeführt. Die Qualität der Leistungen würde steigen, wenn seltene, spezialisierte Operationen von weniger Operateuren vorgenommen würden. Eine Zentralisierung dieser Eingriffe hätte zur Folge, dass in unserem Land für alle Fälle top ausgebildete Chirurgen vorhanden wären, und dass unsere Patientinnen und Patienten nicht von ausländischen «Cracks» via Fernsehen behandelt werden! Chirurgie 2001: Transatlantische, roboterassistierte Chirurgie
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