Diabetologie 2001: Typ-2-Diabetes ist verhinderbar und: Normolgykämie über alles
Author(s) -
Michael J.Stahl
Publication year - 2001
Publication title -
swiss medical forum ‒ schweizerisches medizin-forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4020
pISSN - 1424-3784
DOI - 10.4414/smf.2001.04372
Subject(s) - philosophy
Zwei bahnbrechende Entdeckungen, beide im «New England Journal of Medicine» publiziert, haben im ersten Jahr des 3. Jahrtausend weit über das Fachgebiet der Diabetologie hinaus Aufsehen erregt: Erstens, dass sich Typ-2-Diabetes durch «Lifestyle Changes» verhindern lässt [1], und zweitens, dass das Überleben von kritisch-kranken Patienten auf chirurgischen (!) Intensivstationen durch eine strikte Normoglykämie deutlich verbessert wird, sogar wenn bei ihnen zuvor kein Diabetes bekannt gewesen ist [2]. Der Diabetes mellitus hat sich, wie hinlänglich bekannt ist, zu einer Pandemie ausgeweitet. Weltweit leiden derzeit etwa 150 Millionen Menschen unter Diabetes mellitus, für das Jahr 2010 wird ein Anstieg auf 240 Millionen erwartet, davon sind etwa 90% Typ-2-Diabetiker. In der Schweiz gibt es derzeit etwa 250 000–350 000 Diabetiker, wovon mehr als ein Drittel von ihrer Erkrankung (noch) nichts wissen. Auf die Gesundheitswesen aller Länder kommen unabsehbare Kosten zu, schon heute wird in den USA jeder 7. US-Dollar, der im Gesundheitswesen ausgegeben wird, für Diabetes und dessen Folgeerkrankungen, v.a. makround mikrovaskuläre Komplikationen, aufgewendet (bei uns: knapp 10%). Vor diesem Hintergrund ist für mich die Arbeit von Tuomiletho et al. eine «Landmark-Study» [1]. Erstmals nämlich konnte in dieser finnischen Arbeit gezeigt werden, was zwar jeder theoretisch wusste, was aber im Alltag nicht nur von uns Ärzten, sondern auch von unseren Patienten geflissentlich ignoriert wird; nämlich, dass sich ein Typ-2-Diabetes sogar bei HochrisikoPatienten durch «Lifestyle Changes» verhindern lässt! Tuomiletho et al. randomisierten 522 adipöse (BMI: 31 kg/m2), mittelalterliche (55 Jahre) Patienten mit einer gestörten Glukosetoleranz, also einem Vorstadium eines Diabetes. 265 Patienten in der Interventions-Gruppe erhielten intensive Beratungen, wie die angestrebte Gewichtsabnahme von >5%, eine Fettzufuhr von <30%, die Aufnahme von <10% gesättigten Fettsäuren und eine Fasereinnahme ≥15g pro 1000 kcal erreicht werden können. Dazu wurden sie im ersten Jahr 7× von einer Ernährungsberaterin gesehen, anschliessend alle 3 Monate. Um die angestrebten mindestens 30 Minuten körperliche Aktivität pro Tag erreichen zu können, erhielten sie zusätzlich individuelle Beratungen und Trainingsprogramme durch Physiotherapeuten. Diese intensiven Beratungen waren von grossem Erfolg gekrönt. Nicht nur reduzierte sich das Körpergewicht im ersten Jahr um 4,2 ± 5,1 kg (Kontrollgruppe: 0,8 ± 3,7 kg), sondern auch das Risiko, an Diabetes zu erkranken, verringerte sich verglichen zur Kontroll-Gruppe um 58% (kumulative Diabetes-Inzidenz über 4 Jahre: 11% vs. 23%)! Dies, obwohl die Körpergewichts-Unterschiede zwischen den beiden Gruppen über die 5 Jahre Follow-up wie Schnee in der Sonne auf lediglich noch 2,1 kg dahinschmolzen ... (Wichtigste Resultate: Tab. 1 + 2). Was Jaako Tuomilehto ebenso wie mich persönlich so fasziniert hat, ist die Tatsache, dass inskünftig, wenn der Primärprävention endlich einmal die ihr zustehende gesundheitspolitische Bedeutung zukommt, diese Beratungen – theoretisch zumindest – bei jedem Grundversorger durchgeführt werden können. Es braucht dazu weder Diabetologen noch teure Diabetologie 2001: Typ-2-Diabetes ist verhinderbar und: Normoglykämie über alles
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