Nephrolithiasis: Epidemiologie, Pathophysiologie, Vorgehen bei Nierenkolik, bildgebende Diagnostik
Author(s) -
Jan Tůma,
Barbara Heß
Publication year - 2001
Publication title -
swiss medical forum ‒ schweizerisches medizin-forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4020
pISSN - 1424-3784
DOI - 10.4414/smf.2001.04303
Subject(s) - medicine
Das Harnsteinleiden ist eine der ältesten Krankheiten der Menschheit, wurden doch bereits in Skeletten über 7000 Jahre alte Blasensteine gefunden [1]. Inzidenz und Prävalenz der Steinbildung in den ableitenden Harnwegen sind durch genetische sowie Umweltund Ernährungsfaktoren bestimmt [1, 2]. Die Geschichte der Neuzeit zeigt einen klaren Trend weg von den grossen Harnblasensteinen, wie sie in Gebieten mit Mangelernährung (Entwicklungsländer) häufig sind, hin zu kleinen Konkrementen in Nieren und Ureteren, sobald materieller Wohlstand und Konsum von Fleischprotein in einer Population zunehmen [1, 3]. Ein übermässiger Konsum an Fleischeiweiss scheint somit die – durch genetisch angelegte, noch nicht vollends bekannte Faktoren determinierte – individuelle «Schwelle» für die spontane Bildung von Konkrementen im oberen Harntrakt zu senken. Die jährliche Inzidenz des Nierensteinleidens in den USA und Europa beträgt 0,1–0,4%, d.h. 100–400 neue Steinpatienten pro 1 Einwohner [2]. Somit sind gesamtschweizerisch jährlich etwa zwischen 7000 und 28000 neue Steinpatienten zu erwarten. Die Prävalenz über die gesamte Lebensdauer beträgt in Europa und den USA 8–15% [2], erreicht aber unter trocken-heissen klimatischen Bedingungen wie in Saudi-Arabien bis zu 20% [2]. Die Steinhäufigkeit nimmt mit dem Alter zu und ist bei Männern mehr als doppelt so hoch als bei Frauen [4]. Das Nierensteinleiden hat eine hohe Rezidivneigung: innert 10 bzw. 20 Jahren kommt es in 52% [5] bzw. 75% [2] der Patienten zum Rezidiv. Nierensteine bestehen bis zu 98% der gesamten Konkrementmasse aus kristallinem Material, welches aber erst durch eine organische Matrix (2–5 Gewichtsprozent) zu einem kompakten Stein wird [1]. Bezüglich der kristallinen Steinkomponenten war in den letzten Jahrzehnten mit zunehmender «Verwestlichung» der Ernährungsgewohnheiten ein kontinuierlicher Anstieg des Anteils von Kalziumsalzen (Kalziumoxalat, Kalziumphosphat, Gemisch von beiden) nachweisbar. Wie in Abbildung 1 dargestellt, bestand der kristalline Anteil von Nierensteinen in einer eigenen neuen Studie an 104 konsekutiven Patienten der Steinsprechstunde des Inselspitals Bern in 85% aller Fälle aus Kalziumsalzen [6]. Dabei ist reines Kalziumoxalat weitaus häufiger als Kalziumphosphat oder die Mischung beider Komponenten [1]. Konkremente aus Struvit und/ oder Karbonatapatit, welche nur in Verbindung mit Infekten durch harnstoffspaltende Bakterien (meist Proteus) vorkommen können [7], sind hingegen dank verbesserter, frühzeitiger Therapie von rezidivierenden Harnwegsinfekten deutlich seltener geworden. Der Anteil von rund 2 Prozent Zystinsteinen ist für eine durchschnittliche Population recht hoch und reflektiert wohl den «Zentrumseffekt» der Steinsprechstunde an einer Universitätsklinik.
Accelerating Research
Robert Robinson Avenue,
Oxford Science Park, Oxford
OX4 4GP, United Kingdom
Address
John Eccles HouseRobert Robinson Avenue,
Oxford Science Park, Oxford
OX4 4GP, United Kingdom