Diagnose der Multiplen Sklerose
Author(s) -
Jürg Kesselring,
V Kesselring
Publication year - 2001
Publication title -
swiss medical forum ‒ schweizerisches medizin-forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4020
pISSN - 1424-3784
DOI - 10.4414/smf.2001.04284
Subject(s) - medicine
Die Diagnose Multiple Sklerose (MS) führt zu weitreichenden Konsequenzen im Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen. Basierten frühere diagnostische Kriterien ausschliesslich auf klinischen Angaben, so schliessen die neueren, in einem Internationalen Konsens gefundenen Kriterien auch sogenannte paraklinische Ergebnisse aus bildgebenden Untersuchungen (MRI), elektrophysiologischen Untersuchungen (vor allem evozierte Potentiale) und Liquoruntersuchungen (vor allem oligoklonale Banden) mit ein [1]. Diese neueren diagnostischen Kriterien wurden speziell als Leitlinien für die praktizierenden Ärzte konzipiert, lassen sich aber auch für die Anwendung in klinischen Studien erweitern. Grundsätzlich steht für die Diagnosestellung MS weiterhin der objektive Nachweis einer Dissemination des Krankheitsprozesses (Multiplizität) in bezug auf den Ort als auch in bezug auf die Zeit im Vordergrund. Für die Diagnose wird der Nachweis objektiv erfasster klinischer Zeichen gefordert; die anamnestischen Angaben von Symptomen können zwar zum Verdacht führen, genügen aber allein nicht, um die Diagnose zu sichern. MRI, evozierte Potentiale und Liquoranalysen stützen die klinische Diagnose und können für sie entscheidend sein, wenn die klinischen Angaben allein für die Diagnose nicht genügen. Diese Untersuchungsbefunde liefern eine andere Art von Information als die klinischen, und sie müssen im umfassenderen klinischen Kontext bewertet werden. Jeder dieser Tests hat seine Grenzen in bezug auf Sensitivität und Spezifität. Am sensitivsten und spezifischsten für die MS-Diagnose sind die Ergebnisse bildgebender Verfahren. Liquoruntersuchungen liefern eine andere Art von Information, nämlich über Entzündung und immunologische Störungen und sind deshalb nützlich zur Ergänzung der Diagnose. Ebenso können die evozierten Potentiale zusätzliche Argumente für die Diagnose liefern, insbesondere wenn nur geringe MR-Veränderungen vorliegen (z.B. bei Patienten mit primär progressiver MS [2]), oder wenn die MR-Veränderungen weniger spezifisch sind (z.B. bei älteren Patienten mit Risikofaktoren für mikrovaskuläre Läsionen [3]). Von den evozierten Potentialen sind es insbesondere die visuell evozierten, die mit einer verlängerten Latenzzeit zuverlässige Argumente für eine Leitungsbeeinträchtigung in der Sehbahn liefern [4], während andere evozierte Potentiale keine wesentliche Bedeutung in der MS-Diagnostik mehr haben. Nach den neueren diagnostischen Kriterien wird nur noch unterschieden zwischen MS und «Nicht-MS». Andere früher verwendete Subkategorien werden als nicht mehr notwendig betrachtet.
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