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Die personalisierte Psychiatrie ist eine Psychiatrie ohne Ansehen der Person
Author(s) -
B Küchenhoff
Publication year - 2012
Publication title -
schweizer archiv für neurologie und psychiatrie
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1661-3686
pISSN - 0258-7661
DOI - 10.4414/sanp.2012.02389
Subject(s) - philosophy , psychology , humanities
199 S C H W E I Z E R A R C H I V F Ü R N E U R O L O G I E U N D P S Y C H I A T R I E 2012 ;163 (5 ) : 199–202 www . sanp . c h | www . asnp . c h Wenn heute in der Medizin und in der Psychiatrie von personalisierter Medizin oder Psychiatrie gesprochen wird, dann wird darunter vor allem die medikamentöse Behand lung verstanden, die sich auf die individuelle genetische Ausstattung der Patientin, des Patienten bezieht. Mit Hilfe der modernen molekularbiologischen Verfahren soll die genetische Ausstattung des einzelnen Patienten erfasst wer den, damit «massgeschneidert» auf diesen Einzelnen das für ihn passende Medikament verabreicht werden kann. Diese Begrifflichkeit findet sich zunehmend in der natur wissenschaftlich ausgerichteten medizinischen Forschung, in der auf dieser beruhenden Therapie, in der pharmazeu tischen Industrie und auch in der Marktforschung. Vom Zentrum für TechnologiefolgenAbschätzung (TASWISS) wurde dieses Jahr die Studie «Personalisierte Medizin» aus geschrieben, die von der Schweizer Akademie für Medizini sche Wissenschaften und der Nationalen Ethikkommission auch finanziell unterstützt wird. Es gibt zunehmend auch Symposien, die der Personalisierten Medizin in der klini schen Forschung gewidmet werden. Auch die Laienpresse und Öffentlichkeit haben inzwischen den Begriff bereitwillig und ganz unkritisch aufgenommen. Es ist verblüffend, wie hier eine Begriffseinengung durchgeführt und machtvoll durchgesetzt wird, die einer kritischen Überprüfung in keiner Weise standhalten kann. Die Verkürzung oder Reduktion lässt sich eindeutig fest machen: Denn es wird in der angesprochenen Redeweise nur auf den Körper, die genetische Ausstattung und die biologischen Vorgänge Bezug genommen, alles andere, das Soziale, psychische Prozesse oder was in der Philosophie als die Sprache des Mentalen bezeichnet wird usw., wird weggelassen. Der Industrie und dem Markt mag man den werbewirksamen Effekt «abnehmen», da eindeutig und beabsichtigt gerade der Bedeutungsüberschuss ausgenutzt wird und das tatsächlich gemeinte reduktionistische Pro gramm geschickt verpackt wird. Man kann sich das einfach klar machen, wenn man den korrekten Begriff einsetzt und jeweils anstelle von Personalisierter Medizin oder Psych ia trie von «molekularbiologisch (ab)gestützter Medizin oder Psychiatrie» spricht; dies klingt dann in angemessener Weise nüchtern, doch kaum werbewirksam. Aber was bewegt Die personalisierte Psychiatrie ist eine Psychiatrie ohne Ansehen der Person

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