Unkonventionelles zur Neuordnung der Delegierten Psychotherapie
Author(s) -
Urs Dudle
Publication year - 2019
Publication title -
schweizerische ärztezeitung
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4004
pISSN - 0036-7486
DOI - 10.4414/saez.2019.18075
Subject(s) - philosophy
Seit knapp 25 Jahren arbeiten delegierte Psychologen in meiner Praxis. Im Gegensatz zur schlechten Presse, welche man uns gerne andichtet, arbeiten sie zu durchaus guten Konditionen. Ja, wir sind ein Team, machen auch regelmässig Intervision, wo wir schwierige Klienten diskutieren. Über die Diskussion der Neuordnung der Psychotherapie bin ich nicht sonderlich erfreut. Dies nicht aus dem Grunde, weil ich den Psychologen einen selbständigen Status verweigern möchte, sondern vor allem deshalb, weil man scheinbar das alte Modell neben dem neuen nicht weiterführen will und damit möglicherweise das Kind mit dem Bade ausschüttet. Tatsächlich ist es so, dass viele Gründe für eine mögliche Selbständigkeit der Psychologen sprechen, es aber andererseits kaum echte Gründe gibt, warum Psychiater und Psychologen nicht weiterhin wie bis anhin bei der Delegierten Psychotherapie zusammenarbeiten sollen. Ganz im Gegenteil. Es gibt eine Menge Gründe, welche dafür sprechen. – Das Modell der Delegierten Psychotherapie hat sich während Jahren gut bewährt und wird von Kliniken und Ambulatorien auch fraglos weitergeführt werden. Die aktuellen Engpässe in der Psychotherapie sind vor allem dem Mangel an Psychiatern geschuldet und damit auch dem Mangel an entsprechenden Stellenangeboten, was dann in seltenen Fällen zu schlechten Arbeitsbedingungen der angestellten Psychologen führen mag. Allerdings findet man in der Presse nicht selten völlig unrealistische Zahlen, was denn ein fairer Lohn sei. Je nach Kostenlage wird der Nettolohn eines Psychologen kaum viel mehr als etwa 52% der abgerechneten Leistungen ausmachen können. Der Mangel an Psychiatern übrigens ist, wie wir wissen, unserer Gesundheitsund Bildungspolitik zu verdanken. Seit Jahren bildet die Schweiz zu wenige Ärzte aus, und die Psychiater sind trotz vieler kostspieliger Fortbildungsjahre die am schlechtesten verdienenden Ärzte. Und dies mit fallender Tendenz: So hat uns Psychiatern der neue TARMED von 2018 eine geschätzte Einkommensminderung von knapp 10% beschert, und die offenbar vom BAG aktuell angedachten Massnahmen laufen erneut in dieselbe Richtung. – Die Zusammenarbeit zwischen Psychiatern und Psychologen war und ist sowohl im stationären wie auch im ambulanten Setting sinnvoll. Den Psychologen fehlen immer wieder wichtige Elemente bei der Behandlung von komplexen Fällen. Dies betrifft insbesondere zusätzliche körperliche Leiden oder auch körperliche Ursachen von psychischen Störungen. Hinzu tritt natürlich die ganze Bandbreite von typischen psychosomatischen Erkrankungen. Bei schweren und akuten psychischen Störungen fehlen vielen Psychologen die nötige klinische Erfahrung und Sicherheit, und die Intervention oder wenigstens der Rat des Psychiaters ist in solchen Situationen dringend gefragt. Selbstverständlich ist in diesem Zusammenhang auch die Medikation zu nennen, welche noch immer Arztsache ist und insbesondere auch in akuten Situationen wichtig wird und öfters Hospitalisationen vermeiden kann. Hinzu kommen Krankheitsund andere Arztzeugnisse. Last, but not least sind Berichte und Gutachten zu nennen, bei welchen der Psychiater oft entscheidend mit eingebunden ist. Insbesondere verlangen viele Versicherungen, dass zwingend ein Facharzt den Bericht mit unterschreibt. – Dieselbe Art von intensiver qualifizierter Zusammenarbeit kann natürlich von einem Anordnungsmodell nicht erreicht werden. Die meisten Mediziner ohne psychiatrischen Facharzttitel können die ihnen zugedachte Rolle logischerweise nicht kompetent übernehmen. Ein Anordnungsmodell nur durch Psychiater hat wohl ebenfalls seine Tücken, da viele Psychiater, wie ich selber auch, wohl wenig TRIBÜNE Standpunkt 1373
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