Notfall werden ist nicht schwer Notfall sein dagegen sehr
Author(s) -
Wolfgang Ummenhofer,
Patrick Siebenpfund,
Beat Stcheli
Publication year - 2019
Publication title -
schweizerische ärztezeitung
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4004
pISSN - 0036-7486
DOI - 10.4414/saez.2019.18006
Subject(s) - gynecology , political science , medicine
Das Thema ist komplex. Die Anforderungen an ein gut funktionierendes und reibungsloses Notfalldienstsystem haben sich in den letzten zwei Jahrzehnten in der Schweiz stark verändert. Es wird für viele der kantonalen Ärztegesellschaften regional immer schwieriger, eine ausreichende Anzahl dienstpflichtiger und dienstfähiger Ärztinnen und Ärzte zu rekrutieren. Dies hat einerseits mit der veränderten Bereitschaft der regional stark schwindenden Anzahl an Grundversorgern zu tun, während so vieler Tage pro Jahr und während so vieler Stunden pro Tag (und v.a. pro Nacht) NotfallPikettdienst zu leisten. Andererseits haben sich unsere Strukturen nicht oder zu wenig an die veränderten Rahmenbedingungen angepasst. Das bisherige System ist kaum noch alltagstauglich und kollidiert mit den veränderten Verhaltensweisen der Notfallpatienten, sich bei Auftreten von Symptomen unmittelbar und schnellstmöglich beurteilen und behandeln zu lassen. Wobei «Sympto me» in der subjektiven Wahrnehmung der Patienten oft keine Diskriminierung zwischen Unbehagen, Befindlichkeitsstörung und Krankheit ermöglichen. Die Politik präsentiert sich ungewohnt zurückhaltend. Obwohl die Kantone die oberste Verantwortung für die flächendeckende Versorgungssicherheit tragen, werden trotz des sich abzeichnenden Ärztemangels in der Grundund Notfallversorgung keine Zukunftskonzepte entwickelt. Was vielleicht auch darin begründet ist, dass die kantonalen Ärztegesellschaften mit der Umsetzung dieser permanenten Einsatzbereitschaft beauftragt sind. Es bestehen zahlreiche regionale Projekte. Mögliche Konzepte sind die Vernetzung von Grundversorgern mit ihrer zuständigen Notfallstation im Regionaloder Zentrumsspital («Permanence»), der hilfreiche Triagierungssupport durch die Telemedizin und die vermehrte Beteiligung privater Leistungsanbieter. Bei allen Modellen muss über die Finanzierung nachgedacht und diskutiert werden. Es geht um kantonale Beteiligungen bei medizinischen Notrufzentralen, Solidaritätsbeiträge und Kostenübernahme durch Patienten. Wir möchten mit Hilfe der involvierten Fachgesellschaften und der SÄZ eine Diskussion initiieren, wie eine zeitgemässe und zukunftsorientierte Notfallversorgung in der Schweiz aus ärztlicher Sicht aussehen soll. Denn wenn wir massgeblich in diesen Service involviert bleiben wollen, dann müssen wir auch sagen, wie er aussehen und wer ihn nachts und am Wochenende anbieten soll. Wenn wir uns tendenziell lieber zurückziehen und den bisher auch politisch und juristisch legitimierten Auftrag zurückgeben wollen, dann können Alternativen deklariert und Ausund Weiterbildungsprogramme entsprechend angepasst werden.
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