Musikermedizin: Orchideenfach oder Notwendigkeit?
Author(s) -
Martina Berchtold-Neumann
Publication year - 2018
Publication title -
schweizerische ärztezeitung
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4004
pISSN - 0036-7486
DOI - 10.4414/saez.2018.17184
Subject(s) - business
Im Laufe der Berufsjahre, oft auch bereits während der Ausbildung, entwickeln zahlreiche Musiker/in nen charakteristische somatische und psychische Be schwerden, die zumindest mitbedingt sind durch das professionelle Instrumentalspiel oder Singen. An der Spitze der Beschwerden bei Musiker(inne)n stehen Schmerz syndrome. Es macht keine Mühe, sich etwa eine Violinistin vorzustellen, die stundenlang den lin ken Unterarm verdrehen und mit dem rechten Arm den Bogen bewegen muss, um ihrem Beruf als Musik lehrerin oder Orchesterspielerin nachgehen zu kön nen. Aber auch bei Bläsern ist die gesundheitliche Belastung enorm durch mühselige Haltungen oder die intensive Beanspruchung von Lippen und Zähnen. Die schmerzhaften Probleme des Bewegungsappa rates sind überwiegend Folgen einer dauerhaften, exzessiven Arbeit mit einem unergonomischen «Handwerkszeug», da bauliche und spieltechni sche Eigenschaften der Instrumente im allgemeinen nicht unseren natürlichen physischen Anlagen ent sprechen. Sie erfordern oft einseitige Körperhaltungen in physiologischen Grenz bereichen. Ausserdem steht die Entwicklung von Beschwerden in Bezug zur jewei ligen körperlichen und psychischen Disposition der Musiker/innen, zum konkreten beruflichen und pri vaten Umfeld sowie zum Repertoire, den ÜbeGe wohnheiten und der persönlichen Instrumentaltech nik. Auch aus sermusikalisch zugezogene Verletzungen und Erkrankungen können für eine/n professionelle Musiker/in leicht zum gravierenden Hindernis bei der Berufs ausübung werden. Durch die immer grösser werdende Lautstärke der musikalischen Darbietungen sind schliesslich alle Krankheitsbilder rund um das Ohr von grosser Bedeutung. Relativ häufig sind Probleme aus dem psychischen For menkreis, insbesondere rund um den Stress. Hierbei spielen Auftrittsängste eine besonders grosse Rolle. Auch lässt sich leicht vorstellen, was es heisst, abends pünktlich um 19.30 Uhr mehrmals in der Woche in der Züricher Tonhalle seine Höchstleistung abzurufen. Die oft perfektionistische Erwartungshaltung von Künst ler(inne)n, das hörverwöhnte Publikum und der leis tungsorientierte Musikbetrieb verzeihen keine Fehler. So wachsen werdende Berufsmusiker/innen bereits
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