z-logo
open-access-imgOpen Access
folgt
Author(s) -
Samia Hurst
Publication year - 2018
Publication title -
schweizerische ärztezeitung
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4004
pISSN - 0036-7486
DOI - 10.4414/saez.2018.06702
Subject(s) - philosophy
Und wie würde er zu Hause zurechtkommen? Stille. Nach zwei Monaten Hospitalisierung und drei Verlegungen hatte man diese Frage vergessen. Wir sprechen unter Kollegen ständig über unsere Patienten. Wir sprechen über ihre Krankheiten, unsere Schlussfolgerungen, Be handlungen, ihre Reaktionen. Viel seltener sprechen wir darüber, wer sie sind, und gelegentlich wissen wir es gar nicht mehr. Diese Szene entstammt jenen Ethik konsultationen, an denen keiner da ist, um die Lebens geschichte eines Kranken zu erzählen; niemand weiss, wie er am besten zu therapieren wäre, da keiner mehr weiss, wer er ist. Die Verknüpfung zwischen Geschichte und Identität ist alles andere als unbedeutend. Wir erzählen uns unser Leben – im wahrsten Sinne des Wortes. Diese Er zählungen machen uns aus. Die Philosophin Hilde Lindemann geht sogar noch weiter. Nach ihr er gäbe sich unsere persönliche Identität dadurch, dass wir uns gegenseitig unablässig Teile unserer Geschichte im Bewusstsein halten [1]. Unsere Iden tität ist narrativ, wir erzählen sie uns eher, als dass wir sie verstehen. Auch unsere Familien und Freunde erzählen sich, wer wir sind. In einem Prozess, der vor der Geburt beginnt und sich über den Tod hin aus fortsetzt, halten sie so einen Teil unserer Identität aufrecht. Wir leben in unseren Geschichten wie in ei ner ständigen Baustelle, in der jeder permanent Hand anlegt.

The content you want is available to Zendy users.

Already have an account? Click here to sign in.
Having issues? You can contact us here
Accelerating Research

Address

John Eccles House
Robert Robinson Avenue,
Oxford Science Park, Oxford
OX4 4GP, United Kingdom