Die Medizin: Auf der Suche nach einem neuen Menschenbild
Author(s) -
Piet van Spijk,
Piet Van,
Spijk Medicum,
Wesemlin Landschaustrasse
Publication year - 2018
Publication title -
schweizerische ärztezeitung
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4004
pISSN - 0036-7486
DOI - 10.4414/saez.2018.06537
Subject(s) - philosophy
Während für Descartes die Beziehung zwischen Kör per und Geist unklar blieb, lösten Autoren wie Julien Offray de La Mettrie (1709–1751) das Problem dieser un klaren Beziehung, indem sie beide – Körper und Geist – gleichermassen als etwas PhysischMaterielles ver standen (sog. physikalischer Monismus). Sie sahen den Menschen als eine physikalischen Gesetzen gehor chende Maschine, und so heisst denn auch das Haupt werk La Mettries «L’homme machine». Erst zwei Jahrhunderte später wurde die Konzeption des «Menschen als Maschine» zum allgemein akzep tierten Gedankengut nicht nur bei Wissenschaftlern, sondern auch bei Ärzten und Patienten. Die wissen schaftlichen Erkenntnisse und daraus abgeleiteten medizinischen Erfolge, die sich ab dem 20. Jahrhundert auf der Grundlage der MaschinenTheorie des Men schen einstellten, brachten diesem Denken den Durch bruch. Unterdessen ist es üblich geworden, das Herz als Pumpe und die Nieren als Kläranlage zu verstehen. Und ganz im Sinne von La Mettrie gilt heute der Com puter als Modell für das Gehirn mit all seinen geistigen und emotionalen Ausdrucksformen. Trotzdem wird es immer offensichtlicher, dass die Reduktion des Menschen auf ein berechenbares Ma schinenmodell den Anforderungen einer zukunfts trächtigen Medizin nicht mehr gerecht zu werden ver mag. Die komplexen Multimorbiditäten, welche heute die grosse therapeutische Herausforderung darstellen, lassen sich phy sikalistischmechanistisch nur mangel haft verstehen. Viele Patienten akzeptieren es zu Recht nicht mehr, als Behandlungsgegenstände (die es zu reparieren gilt) und nicht als einmalige und unver wechselbare Individuen behandelt zu werden. Auch auf theoretischer Ebene wird klar, dass dieses Modell mangelhaft, wenn nicht sogar falsch ist. Neben der Tatsache, dass Maschinen selbst einfachen Lebewesen an Komplexität um Dimensionen unterlegen und voll ständig von Menschen abhängig sind, ist es offensicht lich, dass Maschinen weder wachsen noch sich ent wickeln oder sich fortpflanzen können und dass sie – als entscheidendes Element – ohne subjektives Erleben sind; sie kennen weder einen eigenen Antrieb noch Schmerzen oder Gefühle wie Angst oder Liebe. Aus diesen Erkenntnissen heraus wurde im Laufe des 20. Jahrhunderts das Maschinen (auch biomedizi nisches Modell) zum biopsychosozialen Modell des Menschen erweitert. Die Vertreter dieses Menschenbildes sprechen davon, dass es heute die bedeutendste Theorie für die Bezie hung zwischen Körper und Geist sei, erstmals ein wis senschaftlich begründetes, ganzheitliches Verständnis von Krankheit bzw. Gesundheit erlaube und insbeson dere auch der WHO als Basis ihrer Arbeit diene. [1, 2] Doch sie reihen die Bereiche des Biologischen, Geisti gen, Psychischen und Sozialen einfach zusammen hangslos aneinander, ohne angeben zu können, wie sie in Beziehung zueinander stehen. Sie gehen wie Descar tes davon aus, dass das Biologische auf der einen Seite Nachdenken über zentrale Themen der Medizin
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