Sparen: Zuerst bei den Strukturen, zuletzt bei den Patienten
Author(s) -
Jürg Schlup
Publication year - 2018
Publication title -
schweizerische ärztezeitung
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4004
pISSN - 0036-7486
DOI - 10.4414/saez.2018.06418
Subject(s) - philosophy
Der im Oktober 2017 vom Eidgenössischen Departe ment des Inneren (EDI) vorgelegte Expertenbericht «Kostendämpfungsmassnahmen zur Entlastung der ob ligatorischen Krankenpflegeversicherung» [1] hat bis lang vor allem wegen seiner Forderung einer «verbindlichen Zielvorgabe für das OKP-Kostenwachstum» [1] Aufmerksamkeit generiert. Weil solche Globalbudgets die Qualität und die Zugänglichkeit der Gesund heitsversorgung zwangsläufig verschlechtern, positio nierten sich Verbände der Patienten, Ärzte, Spitäler, Krankenkassen, Pharmaindustrie und Apotheker ge meinsam klar gegen die Einführung undifferenzier ter Kostendeckel [2]. Wer dies als «Aufschrei der Pro fiteure» [3] verunglimpft, verkennt, dass all diese Akteure täglich einen Beitrag zu einem der inter national besten Gesundheitswesen leisten, damit in allererster Linie einer profitiert: der Patient. Der Vorschlag der Experten zukünftig die Gesund heitsversorgung über Budgets zu beschränken, über rascht nicht, denn bereits der Auftrag des EDI hatte vorgegeben, «Steuerungsinstrumente bei den Budgets oder der Menge der zu erbringenden Leistungen» [4] vor allem aus Deutschland und den Niederlanden zu analysieren. Wenn man von dieser Tendenz absieht, grundsätzlich ein «stärkeres Eingreifen» [1] und eine «Gesamtsteuerung» [1] des Staates zu fordern, finden sich unter den insgesamt 38 aufgeführten Mass nahmen jedoch auch viele zielführende Ansätze. Dass sich mehrere Forderungen des Expertenberichts sogar mit der Stossrichtung von FMHPositionen zum Kostendämpfungspotential im Gesundheitswesen decken, zeigt ein Beitrag auf Seite 224 in dieser Aus gabe [5]. Aus ärztlicher Sicht sind in erster Linie Kos tendämpfungsmassnahmen zu verfolgen, die Effi zienz steigern ohne die Versorgung zu beeinträch tigen. Denn insbesondere die Strukturen und die Finanzie rung unseres Gesundheitswesens bergen ungenutztes Potential zur Kostendämpfung. Darum begrüsst die FMH auch, dass der Expertenbericht die Kleinräumig keit unserer 26 Gesundheitssysteme kritisiert und bspw. eine überregionale Spitalplanung oder die Lö sung der GovernanceProbleme der Kantone anmahnt. Auch Spitäler, die mengenbezogene Boni bezahlen, von Spitallisten auszuschliessen, könnte einen von der FMH seit Jahren kritisierten Missstand beheben [6]. Strukturell anzusetzen hiesse aber auch mittels einer konsequenten einheitlichen Finanzierung Effizienz potentiale von jährlich etwa drei Milliarden Franken zu realisieren [7] – ohne dafür Versorgungsleistungen zu reglementieren oder einen neuen, steuernden Ver waltungsapparat schaffen zu müssen. Hier bleibt der Expertenbericht leider hinter den bestehenden Mög lichkeiten zurück.
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