z-logo
open-access-imgOpen Access
Offener Brief an Bundespräsident Berset
Author(s) -
Bundespräsident Berset,
Martin Igual,
Organisationen Der,
Ärzteschaft Fmp
Publication year - 2018
Publication title -
schweizerische ärztezeitung
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4004
pISSN - 0036-7486
DOI - 10.4414/saez.2018.06379
Subject(s) - psychology
Die Hoffnungen sind gross gewesen, als Sie als Vertreter unserer Generation von Ihrem Vorgänger mit dem Departement des Innern das Bundesamt für Gesundheit übernommen haben. Hoffentlich einer, der mit Mut anpackt! Hoffentlich einer mit Weitsicht! Hoffentlich einer, der die Weichen in die richtige Richtung stellt! Bald sechs Jahre nach Ihrem Amtsantritt ist die Ernüchterung gross. Angepackt und angerissen haben Sie, bestimmt. Und kürzlich haben Sie auch Standfestigkeit bewiesen, indem Sie nicht wie Ihre Vorgänger angesichts des Haufens der unverändert ungelösten Probleme den Amtsstab bei der erstbesten Gelegenheit weitergereicht haben und in ein neues Departement gewechselt sind. Doch gemessen an Ihren Taten hat bisher unter dem Strich leider nicht viel Zählbares herausgeschaut. Und auch die Krankenkassenprämien sind weiterhin am Steigen. Unter dem Druck, endlich den grossen Wurf zu landen, suchen Sie nun das Heil als Ausdruck zunehmender Verzweiflung in Ihrem zweiten Tarifeingriff per 1.1.2018, nachdem der erste im Herbst 2014 bereits kläglich gescheitert war. Mit Ihren geplanten Massnahmen treffen Sie erneut mit einer Breitseite die freipraktizierende Ärzteschaft und hierbei nicht nur die Spezialisten, die als momentane «schwarze Schafe» im Fokus der Sparer und auch der Medien stehen, sondern u.a. mit der geplanten Beschränkung der KonsultationsMinutagen auch die Grundversorger. Ihre getroffene Entscheidung wirft doch einige Fragen auf: – Wäre es nicht an der Zeit gewesen, vorerst einmal innezuhalten und die Mechanismen für die steigenden Gesundheitskosten zu analysieren und hierbei den Blick nicht durch die Sie ständig umgarnenden Lobbyisten verzerren zu lassen? – Wieso ist der Fokus Ihrer Sparbemühungen bisher noch nicht mit demselben Impetus auf die Pharmaindustrie (Stichwort «überteuerte Medikamente») oder Kostenstruktur der Krankenkassen gerichtet gewesen? – Sind Sie tatsächlich der Meinung, dass die freie Ärzteschaft für die Kostenentwicklung verantwortlich und Ihr Tarifeingriff deshalb in dieser Form mit all seinen noch nicht absehbaren, den Berechnungsmodellen folgend aber voraussichtlich sehr einschneidenden Folgen für diese Berufsgruppe gerechtfertigt ist? – Ist Ihnen entgangen, dass seit der angekündigten und dann auch umgesetzten Einführung der Fallkostenpauschalen (DRG) im Stationärbereich – man musste schon damals keine hellseherischen Fähigkeiten besitzen, um diese Entwicklung vorherzusagen – die Kosten im ambulanten Spitalbereich explodiert sind? – Und ist der Grund hierfür nicht darin zu suchen, dass viele Spitäler nach simpler betriebswirtschaftlicher Analyse, wie zu erwarten, als «reactio» auf die bundesrätlich angeordnete «DRG-actio» einerseits kostspielige Abklärungen vom stationären in den ambulanten Bereich verlegt und anderseits in den letzten Jahren – finanziert durch öffentliche Gelder – ihre Ambulatorien ständig ausgebaut haben? – Und welche, wenn nicht wirtschaftliche Überlegungen führen dazu, dass immer mehr öffentliche Spitäler Dependancen an marktstrategisch wichtigen Orten wie z.B. am Flughafen Zürich oder in Einkaufszentren eröffnen und sich hierbei nicht einmal durch Kantonsgrenzen beeindrucken lassen? – Hätte Sie ein ungetrübter Blick nicht erkennen lassen müssen, dass im Gegensatz zu diesen kostentreibenden Aktivitäten die vergüteten TARMED-Leistungen im Nicht-Spital-Bereich kaum angestiegen sind? – Hätte Ihre Massnahme nach korrekter Analyse der Kostenanstiegsursache dann nicht eine andere sein müssen? – Könnte bei vorhandenem politischen Willen den «ambulanten Expansionsbestrebungen» der öffentlichen Spitäler nicht Einhalt geboten werden? – Doch wie gross ist dieser politische Wille, wenn man als Indikator hierfür nimmt, dass nach Einführung des TARMED die öffentlichen Spitäler – unbeachtet vom Radar der medialen Berichterstattung ORGANISATIONS DU CORPS MÉDICAL FMP 52

The content you want is available to Zendy users.

Already have an account? Click here to sign in.
Having issues? You can contact us here
Accelerating Research

Address

John Eccles House
Robert Robinson Avenue,
Oxford Science Park, Oxford
OX4 4GP, United Kingdom