Der «Schweizer Eid»
Author(s) -
Bernhard Egger,
Ruth Baumann-Hölzle,
Max Giger,
Claudia Käch,
Audrey Kovatsch,
Diana Meier-Allmendinger,
Judit Pók Lundqvist,
Pascal Schai,
Jean-Pierre Wils
Publication year - 2017
Publication title -
schweizerische ärztezeitung
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4004
pISSN - 0036-7486
DOI - 10.4414/saez.2017.05994
Subject(s) - business
In modernen, hochkomplexen Gesellschaften sind Institutionen einem permanenten Wandel ausgesetzt. Die Gesundheitsinstitutionen bilden da keine Aus nahme, im Gegenteil. Die politisch induzierten Re formvorhaben wechseln regelmässig. Marktanforde rungen sind allgegenwärtig und mit ihnen wächst die Erwartung, Gewinnmaximierung bei gleichzeitiger Kostenersparnis sei auch in den Gesundheitsinstitu tionen ein wichtiges Ziel. Der wirtschaftliche Wett bewerb nötigt zu Rationalisierungsmassnahmen, zur Straffung der Abläufe und zur fortwährenden Suche nach Effizienzsteigerungen und nach Massnahmen zur Erhöhung der Kosteneffektivität. Krankenhäuser haben vielerorts ein betriebliches Aussehen bekommen. Wirtschaftssoziologisch gut erforscht ist eine Entwick lung, die man unter dem Stichwort Ökonomisierung zusammenfassen kann: Während die Aufforderung, sich kostenbewusst zu verhalten, zunächst die Vermei dung von Verlusten bedeutet, müssen die Akteure sich im späteren Verlauf der SollErwartung der Gewinn steigerung unterwerfen, so dass die Erzielung von Gewinnen zum wichtigsten Ziel der Organisation wird. Aus betriebswirtschaftlicher Perspektive lassen sich gegen diese Zielvorgabe kaum Einwände erheben. Ob und in welchem Masse sie generell und im Besonderen in medizinischen Institutionen sinnvoll ist, dürfte dagegen fraglich sein. In Spitälern begegnen sich näm lich zwei Systeme – das notwendigerweise kalkulie rende, «kalte» System der Ökonomie und das dem Pa tientenwohl verpflichtete, «warme» System ärztlichen, aber auch pflegerischen und therapeutischen Han delns. Quantitatives, wirtschaftliches Denken einerseits und die professionelle Autonomie andererseits, die we sentlich mit der Kunstfertigkeit ärztlichen Handelns zusammenhängt, müssen hier balanciert werden. Zu dieser Balance gehört die Einsicht, dass gute Medizin auf eine stabile ökonomische Basis angewiesen ist. Auch fehlendes Kostenbewusstsein und mangelhaft ausgeprägte wirtschaftliche Sensibilität unterminie ren angemessenes ärztliches Handeln. Aber Ökonomisierung meint etwas anderes: die Unter ordnung der medizinischen Kunstfertigkeit unter die Direktive der Ökonomie. Die Einschränkung der Auto nomie ärztlichen Handelns bildet die unmittelbare Folge dieser Entwicklung. Während einst die Ökono mie subsidiär der Medizin zugeordnet war, hat sich dieses Verhältnis nun umgekehrt: Ärztliches Handeln steht im Dienste der betriebswirtschaftlichen Ausrich tung der Institution. Medizinischer Erfolg meint in diesem Falle ökonomischer Erfolg. Inzwischen sind die Konsequenzen dieser Umwandlung äusserst gut doku mentiert. Es ist geradezu die Rede von einer «DePro fessionalisierung», von einem Verlust des typischen Profils ärztlichen Handelns. Berufsbild und Berufs ethos sind in Mitleidenschaft gezogen. Standesorgani sationen und ethische Institutionen weisen seit Jahren besorgt auf diese Transformation des Berufs hin. We nige Beispiele müssen an dieser Stelle genügen.
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