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Irren ist menschlich
Author(s) -
Ulrike HoffmannRichter,
Fachärztin Für Psychiatrie,
Klaus Dörner,
Ursula Plog,
Thomas Böck,
Peter Brieger,
Andreas Heinz,
Frank R. Wendt
Publication year - 2017
Publication title -
schweizerische ärztezeitung
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4004
pISSN - 0036-7486
DOI - 10.4414/saez.2017.05738
Subject(s) - computer science
Auch Fachbücher können Bestseller werden. Irren ist menschlich, einer der psychiatrischen Bestund Longseller, ist im 40. Jahr in der 24. Auflage und der vierten Neubearbeitung von insgesamt 400 000 Exemplaren erschienen. Der Titel weckt Assoziationen an das «Irresein» als Bezeichnung für psychische Erkrankungen im 18. und 19. Jahrhundert. Dass wir uns irren können, verbinden wir heute nicht mehr damit. Der Lehrbuchtitel nimmt bewusst Bezug auf beide Bedeutungen: Die alltägliche Möglichkeit sich zu irren und psychisch krank zu sein. Nicht nur der Titel, auch das Lehrbuch ist nach wie vor ein besonderes: – Es richtet sich nicht nur an psychiatrisch Tätige, sondern an alle, das heisst an Ärztinnen und Ärzte anderer Fachgebiete, Pflegende, in Sozialarbeit, Pädagogik etc. Tätige, an Angehörige und Patientinnen und Patienten selbst, aber auch an alle, die sich für das Fachgebiet interessieren. – Es stellt das Fachgebiet nicht aus der Krankheitsoder Störungsperspektive, sondern aus der Personenund Beziehungsperspektive dar. – Es ist geprägt vom Respekt vor den kranken Menschen und betrachtet sie als gleichberechtigt, als grundsätzlich mündige und urteilsfähige Menschen und überdies als autonome Mitglieder der Gesellschaft. – Folgerichtig gibt es in Ergänzung zu den Kapiteln über den «sich und andere versuchenden Mensch(en)» (Abhängigkeit), den «sich und andere bemühende(n) Mensch(en)» (neurotisches Handeln, Persönlichkeitsstörungen, Psychosomatik) etc. auch ein Kapitel über psychiatrisch Tätige («der sich und andere helfende Mensch»). Das Kapitel stellt sie auf dieselbe Ebene wie psychisch kranke Menschen. Hier werden wichtige Themen angesprochen, die in Lehrbüchern selten auftauchen, wie z.B. die Reflexion des eigenen Handelns, die Arbeit im Team, unterschiedliche Berufsrollen, der Umgang mit Macht, Nachdenken über das Helfenwollen, über Eigenes und Fremdes u.a.m. – Geprägt ist das Buch auch von der politischen Haltung, die insbesondere in der Zeit der Psychiatriereform in Deutschland einen entscheidenden Stellenwert hatte. – Von der ersten Auflage an pflegt das Buch eine eigene Sprache. Aufhorchen lassen nicht nur die Kapitel überschriften, sondern eine Fülle eigener Wortprägungen, die zum Nachdenken anregen und Achtsamkeit wecken. Allerdings sind nicht alle Wortprägungen ohne weiteres eingängig. Zuweilen wirken sie sperrig, sie können auch irritieren. – Den Zugang erleichtern Vorwort und Gebrauchsanweisung. – Üblicherweise beginnen Lehrbücher mit den Grundlagen oder auch mit einem allgemeinen Teil. Im speziellen Teil werden in der Regel die einzelnen Krankheitsbzw. Störungsbilder vorgestellt, gefolgt von der Beschreibung der Therapien. Irren ist menschlich beginnt mit «der sich und andere helfende Mensch». An die Kapitel zu den Verfasstheiten des Menschen in unterschiedlichen Zuständen und Handlungsperspektiven schliesst sich ein Ka pitel zur Psychiatriegeschichte an, eines zu Psych iatrie und Recht. Das Kapitel «Ökologie der Selbstund Fremdhilfe» stellt die Hilfsund Behandlungsangebote vor. Unter dem Begriff «Techniken» befassen sich drei Kapitel mit sozialpsychia-

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