Die Hausärzte sterben aus: na und?
Author(s) -
Daniel Oertle,
Med Oertle,
Gruppenpraxis Dennlerstrasse
Publication year - 2016
Publication title -
schweizerische ärztezeitung
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4004
pISSN - 0036-7486
DOI - 10.4414/saez.2016.05176
Subject(s) - art
Ab und zu stirbt eine Tierart aus: Der Dodo ist aus gestorben, der Säbelzahntiger und die karibische Spitz maus. Und jetzt der Hausarzt. Das scheint traurig, ist jedoch ein natürlicher Schritt der Evolution, wie das Darwin beschreibt: Der Hausarzt stirbt aus, weil sich die Welt um ihn verändert hat und es ihn nicht mehr braucht. Seine Zeit ist um. Ich gebe Ihnen drei Beispiele. Herr L. ist zwischen dreissig und vierzig und also ehr geizig, Bankangestellter, fällt vom Bike und verdreht sich bitzeli das Knie. Herr L. geht zum Hausarzt, der eine Zerrung des Innenbandes diagnostiziert. Er ver schreibt Pasta boli, eine elastische Binde, ein paar Tage Schonung und kostet 56.30 Franken. Zwei Tage später erhält der Hausarzt Post von der ComprehensiveSports Clinic CSC: Im MRI wird eine Zerrung des Innenbandes mit diskretem Erguss und eine alte Läsion des inneren Meniskus beschrieben. Etwas später ruft ein erboster Herr L. an, der Hausarzt hätte die Meniskusläsion über sehen und von nun an werde er sich immer direkt in der CSC behandeln lassen, dort sei man kompetenter und hätte sofort ein MRI gemacht. Übrigens hätte man ihm statt der elastischen Binde einen Aircast und vier Tage Arbeitsunfähigkeit verschrieben, dazu einen Blutverdünner. Der Hausarzt will auf den Unterschied zwischen einer alten und einer frischen Meniskus läsion hinweisen, lässt das aber bleiben und verab schiedet sich freundlich von Herrn L., den er kürzlich durch eine mühselige Scheidung begleitet hatte. Die junge Frau, die der Hausarzt seit ihrer Kleinstkin derzeit kennt, ruft an, sie verspüre häufigen Harn drang und ein Brennen beim Wasserlassen. Die Praxis assistentin gibt ihr gleichentags einen Termin, zu dem die junge Frau nicht erscheint. Dafür bekommt der Hausarzt ein Mail der jungen Frau, sie sei bei einem In stantMedicalCheckPoint IMCP vorbeigekommen und habe dort sofort einen Termin bekommen. Man habe sie wirklich gründlich untersucht, hätte nicht nur den Urin, nein auch das Blut gecheckt, und ein junger Arzt hätte sogar einen Ultraschall gemacht – der Service im IMCP sei super und sie wolle sich jetzt immer dort be handeln lassen. Der Hausarzt klappt das Mail weg, tele foniert seinem Praxiskumpel in dessen Sprechstunde und zusammen trinken sie notfallmässig Kaffee. Die ältere Frau ist oft beim Hausarzt, oh je, geplagt von vielen Ängsten, gebeutelt von einem strengem Leben mit eigenem Geschäft und der geistig behinderten Tochter. Diesmal ist sie überzeugt, sie hätte ein Pan kreasKarzinom, eines im Anfangsstadium. Genau so sei es bei ihrer Nachbarin gewesen, die Symptome seien am Anfang nicht wahrnehmbar gewesen – und Les médecins de famille sont en voie de disparition. Et alors?
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