Sicherheit und Vertrauen
Author(s) -
Barbara Züst
Publication year - 2015
Publication title -
schweizerische ärztezeitung
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4004
pISSN - 0036-7486
DOI - 10.4414/saez.2015.03938
Subject(s) - political science
Krankheiten verunsichern die betroffenen Menschen – und zwar physisch wie psychisch. Für Patienten stehen deshalb das Bedürfnis nach Geborgenheit und Sicherheit im Vordergrund. Patienten, die sich sicher fühlen, fällt es leichter, den Behandelnden Vertrauen entgegenzubringen. Auch das Umgekehrte gilt: Sicheres Verhalten von Fachpersonen wirkt auf Patienten vertrauenserweckend. Vertrauen kann als Zuversicht dafür definiert werden, dass das, was mir geschieht, wirklich in meinem Interesse ist. Vertrauen auch als Wissen darum, dass im Rahmen der Anamnese meine Beobachtungen zur Krankheit und meine Mitteilungen gegenüber dem Arzt wichtig sind. Insbesondere diagnostisch trägt der Patient mit seinen Angaben viel zum Erfolg bei. Dies zeigte unlängst der folgende, speziell tragische Fall, der uns zur Abklärung vorgelegt wurde, einmal mehr sehr eindrücklich [1]. Ein junger Mann, knapp 30-jährig, der soeben von einem dreiwöchigen Aufenthalt in seinem osteuropäischen Heimatland in die Schweiz zurückkehrte, suchte wegen seit Tagen bestehenden Nackenund Kopfschmerzen sowie Lichtempfindlichkeit den Arzt auf. Er berichtete über einmaliges Fieber und dreimaliges Erbrechen, sowie seit Tagen bestehenden Doppelbildern. Das Schädel-CT ergab keine Auffälligkeiten. Nach einer Nacht Überwachung und Verabreichung von Schmerzmedikamenten stellten die Ärzte eine Besserung fest und entliessen ihn deshalb nach Hause. Rund zehn Tage später meldete er sich wieder mit Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Lichtempfindlichkeit und beunruhigender Tachykardie. Nach diversen Untersuchungen (kardial wie MRI-Schädel) gingen die behandelnden Ärzte am ehesten von einer entzündlichen, weniger von einer infektiösen Erkrankung aus und verordneten deshalb Kortison. Erst drei Tage danach erhielt der junge Mann zusätzlich Antibiotika, u.a. wegen steigenden Werten von Leukozyten und Lactat im Liquor. Weniger als zehn Tage nach Spitaleintritt lag der Patient plötzlich bewusstlos und mit Atemstillstand im Bett. Die Reanimationsbemühungen blieben erfolglos. Die Obduktion ergab eine Meningitis mit Abszessen im Kleinhirn sowie Hirnstamm. Trotz intensiver Suche – inklusive Nachweis von Erbmaterial von spezifischen Bakterien – blieb der auslösende Erreger unbekannt. Erst im Anschluss an den tragischen Todesfall ergab sich nach Gesprächen mit den Angehörigen, dass sich der junge Mann aufgrund von Zahnbeschwerden im Heimatland einer Zahnarztbehandlung unterzogen hatte. In der Folge waren dann Kopfschmerzen und die bereits beschriebenen Beschwerden aufgetreten. Der von ihm im Heimatland aufgesuchte Arzt hatte ein Meningismus vermutet und beabsichtigte, ihn mit Antibiotika zu behandeln. Der junge Mann wollte sich jedoch in der Schweiz behandeln lassen. Rückblickend betrachtet scheint klar, dass Mängel in der Kommunikation, auch bei einer fraglichen Übergabe der fremdsprachigen medizinischen Unterlagen, wesentlich zum fatalen Verlauf beigetragen haben. Die Bedeutung des Anamnesegespräches bei der Diagnostik ist den Behandelnden bekannt. Nicht immer so klar ist dies für Patienten, die deshalb froh um entsprechende Instruktionen sind. Denn trotz aller technischen Errungenschaften der Medizin lässt sich der Austausch von Informationen zwischen Patient und Eine vertrauensvolle Beziehung ist die Basis für gelingende Kommunikation zwischen Arzt und Patient. © A le xa n d er R at h s | D re am st im e. co m SCHWERPUNKT PATIENTENSICHERHEIT SPO Patientenschutz 1362
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