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Mit Spiritualität Lebensräume für Kinder und Jugendliche öffnen
Author(s) -
Christina Aus der Au
Publication year - 2015
Publication title -
schweizerische ärztezeitung
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4004
pISSN - 0036-7486
DOI - 10.4414/saez.2015.03692
Subject(s) - psychology , art
Wenn ein Psychiater ein Buch schreibt, in dem der Begriff «Spiritualität» im Titel vorkommt, dann beginnen Theologinnen und Theologen meist sehr skeptisch mit der Lektüre – wenn sie denn das Buch überhaupt zur Hand nehmen. Der Begriff meint oft genug alles und nichts, und das möglichst nicht zu christlich. Aber Hans-Rudolf Stucki ist nicht nur Arzt mit einer Praxis für Kinderund Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, sondern auch Theologe. Und er definiert Spiritualität schon im ersten Kapitel als «den Bezug zu etwas, was der Mensch hier auf Erden als ihm übergeordnet erfährt, beispielsweise zu etwas Grösserem, Ganzheit lichem», wobei es sich aber «um eine Leben fördernde Grösse handeln» muss. Diese sehr weitgefasste, aber trotzdem konkret vorgestellte Spiritualität versucht Stucki in der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen nachzuverfolgen, und er macht dies an drei Kriterien fest: Spiritualität zeigt sich in existenziellen Fragen, in einem Bezogensein auf eine grössere Wirklichkeit und in einer Selbsttranszendenz bzw. Selbstvergessenheit, in der man sich dieser Wirklichkeit nähert. Stucki macht keinen Hehl daraus, dass er das Christentum als einen in unserem Kulturkreis naheliegenden spirituellen Weg sieht, aber letztlich ist für ihn diese Spiritualität in jeder Religion zu finden. Dies macht es auch kirchendistanzierteren Leserinnen und Lesern leicht, Zugang zu diesem Buch zu finden. Stucki illustriert seine Thesen mit vielen Beispielen aus der Praxis, die viele Mütter und Väter immer wieder an eigene Erlebnisse mit ihren Kindern erinnern mögen. Wenn er dann Anzeichen von Spiritualität schon bei Zweijährigen findet, so kann man natürlich solche Momente von Selbstvergessenheit oder grossem Staunen auch anders deuten. Stucki versteht die frühkindliche Vorstellung von einem grösseren Zusammenhang auch als Teil des Entdeckens der wirklichen Welt, und so ist für ihn Spiritualität und Wissen kein Gegensatz, sondern geeint im Schritt vom Ich zum Anderen. Hilfreich ist Stuckis Gedanke, dass weniger die Spiritualität selber sich entwickelt, sondern vielmehr deren Ausdruck als religiöse Sozialisierung. Stucki appelliert an die Eltern, diese Sozialisierung selbstkritisch zu reflektieren und – sei es nun allgemein ethisch oder religiös – aktiv zu unterstützen. Sie eröffnen so den Kindern und Jugendlichen einen Deutungshorizont, in dem diese sich und ihr Verhältnis zu den anderen einbetten können.

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