Big Data: Horrorszenario oder grosse Chance?
Author(s) -
Felicitas Witte
Publication year - 2015
Publication title -
schweizerische ärztezeitung
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4004
pISSN - 0036-7486
DOI - 10.4414/saez.2015.03206
Subject(s) - big data , computer science , artificial intelligence , data mining
Das Mobiltelefon ist schon wieder zu klein geworden. Vielmehr der Speicher. Kennen Sie das Problem auch? Waren wir früher stolz auf unseren Speicher mit acht Gigabyte, überlegen wir heute, ob der 64 Gigabyte Speicher ausreicht oder ob es nicht besser der 128er sein soll. Ob Fotos, Apps, Mail-Anhänge: Wir generieren immer mehr Daten. Gleichzeitig verlieren wir den Überblick: Brauchen wir wirklich alle 199 Bilder vom Geburtstag der Tante von vor vier Jahren? Oder die 135 im Passbook gespeicherten Flugtickets? Die Dutzende aufgezeichnete Jogging-Touren? Zeit, Unwichtiges in den Papierkorb zu werfen, nimmt sich kaum jemand. In der Medizin sind wir in einer ähnlichen Situation. Mit Hilfe neuer Technologien ist es Forschern in den vergangenen Jahren gelungen, immer mehr Daten zu sammeln: Informationen über unsere Gene («Genom»), über die in einer Zelle hergestellten RNA-Moleküle («Transkriptom») und Proteine («Proteom»), über Stoffwechselprodukte («Metabolom») oder über die Gesamtheit unserer Mikroorganismen («Mikrobiom»). Daneben natürlich die «altbekannten» Parameter wie Blutdruck, Herzfrequenz oder Laborwerte, Hirnströme oder Ergebnisse von Aufnahmen des Körpers. Doch unser «Medizin-Arbeitsspeicher» kommt an seine Grenzen. Wer soll all die Daten verwalten? Wer entscheidet, was wichtig ist und was nicht? Wie können wir die Informationen nutzen? «Big Data» bezeichnen Experten diese Datenmengen, die zu gross sind, um sie mit klassischen Methoden zu verarbeiten und auszuwerten. Wir können uns Big Data nicht mehr entziehen, wir sind schon mitten drin – das war das Fazit der Experten auf dem 11. Schweizerischen Kongress für Gesundheitsökonomie und Gesundheitswissenschaften, der kürzlich in Bern stattfand. «Die digitale Transformation ist auf dem Weg», sagte Thomas Gauthier, Professor für Strategie an der Universität für angewandte Wissenschaften in Genf. «Das kann Angst machen, ist aber auch eine grosse Chance.» Inzwischen könne man fast jeden Parameter selbst bestimmen oder einfach bestimmen lassen. Die Messungen werden zudem immer billiger und unsichtbarer. So kann man heutzutage etwa schon für wenige Hundert Franken sein gesamtes Genom screenen lassen, Armbänder dokumentieren unauffällig die Herzfrequenz und sogar der Blutzucker lässt sich inzwischen nichtinvasiv bestimmen über eine Kontaktlinse. Bis vor kurzem hat der Arzt die Daten erho-
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