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Ein «Überlebensbuch» für Brustkrebspatientinnen
Author(s) -
Walter Felix Jungi
Publication year - 2012
Publication title -
schweizerische ärztezeitung
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4004
pISSN - 0036-7486
DOI - 10.4414/saez.2012.00557
Subject(s) - philosophy
Die Autorinnen, beide selbst Brustkrebs-Betroffene, wollen mit ihrem Ratgeber «Anleitung zur aktiven Patientin» geben, «in Abstimmung mit international anerkannten Brustkrebs-Experten» (Cover-Text). Dass er innerhalb von 9 Jahren bereits zum 5. Mal überarbeitet wurde, beweist, dass er einem grossen Bedürfnis entspricht. Der Rezensent weiss aus eigener Erfahrung, wie schwierig oft die Situation für eine Patientin ist, die eben die Diagnose Brustkrebs erhalten und diese zu «verdauen» hat, wie schwierig und anspruchsvoll auch für ihre Umgebung und die sie Betreuenden. Guter Rat ist hier teuer und braucht viel Zeit – aber ob es dazu 400 Seiten braucht, in einem unpraktischen Grossformat? Ich befürchte, dass die Masse der Information für eine BrustkrebsPatientin auch zu viel sein, sie überfordern und verunsichern könnte. Allerdings umfasst auch das «Brustbuch» von Love/Lindsey 662 Seiten! Im «Überlebensbuch» finden Betroffene aber tatsächlich umfassende, auf den neusten Stand gebrachte, sehr gut und einfühlsam formulierte Informationen zu wirklich allem, was sie im Verlauf ihrer Erkrankung erfahren werden und entscheiden müssen. Die Autorinnen betonen immer wieder und zu Recht die Mündigkeit der Patientin und wollen ihr «eine Arznei mit starken Nebenwirkungen und Nachwirkungen an die Hand geben: ein Medikament, das Ihr Immunsystem als Krebspatientin stärken und Ihre Widerstandskraft als kritische Kundin im Gesundheitssystem wecken soll». Es stimmt: «Fast alle Frauen mit Brustkrebs haben nach Behandlungsende das Bedürfnis, etwas zur eigenen Gesundung beizutragen. Was immer Sie auch planen – es ist ein erster Schritt zur Bewältigung Ihrer Erkrankung. Ein Schritt heraus aus der Rolle der Be-handelten und hinein in die Rolle der Handelnden.» Die reiche Information ist – dem Verlauf einer Brustkrebserkrankung entsprechend – in 8 Phasen gegliedert: Verdacht – Weg zur Diagnose – die Diagnose Brustkrebs – der grosse Einschnitt – Chemo, Antikörper und kleine Moleküle – Anti-Hormontherapie, Knochenschutz und Psychotherapie – Strahlentherapie und Sozialmedizin – nach der Therapie. Wie bereits erwähnt, werden wirklich alle möglichen diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten (knapp und gut) dargestellt – aber ob dies einer Patientin in ihrer individuellen Situation wirklich hilft? Besonders wertvoll sind die vielen allgemeinen Ratschläge zum Umgang mit Familie, Kindern, Ärzten, Therapeuten und Kliniken. Sehr hilfreich auch die zahlreichen Tabellen und Checklisten. Meines Erachtens etwas stiefmütterlich behandelt wird die Rolle der Ernährung, überbetont die hypothetische «Entgiftung» und «Stärkung des Immunsystems». Sehr ausgewogen auch die Ratschläge zur Nachsorge, die in Deutschland ganz anders institutionalisiert ist als in der Schweiz. Auch viele andere administrative Hinweise gelten nicht für uns. Trotz Kritik danke ich den beiden Autorinnen für dieses für Brustkrebspatientinnen sicher hilfreiche – und sehr preisgünstige – Werk.

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