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Fehlermanagement im Spital / ein Beispiel aus unserer Frauenklinik
Author(s) -
D Haenggi,
S Heinzl Einleitung,
Med David Haenggi-Bally
Publication year - 2005
Publication title -
schweizerische ärztezeitung
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4004
pISSN - 0036-7486
DOI - 10.4414/saez.2005.11330
Subject(s) - medicine
Das Institute of Medicine rechnete 1999 im Be-richt «To Err is Human» mit jahrlich 90000iatrogenen Todesfallen in US-Spitalern [3]. DieAnzahl der Prozesse wegen angeblicher Behand-lungsfehler ist in den letzten Jahren dramatischgestiegen. Ein Beispiel: Im Oktober 2002 mussteeine Schwangerschaft wegen Implantation vonfremden Embryonen in England abgebrochenwerden, da die Rohrchen, die die befruchtetenEmbryonen enthielten, falsch beschriftet waren.Die IVF-Klinik wurde daraufhin geschlossen.Gerade auch in der Geburtshilfe sind deut-liche Steigerungen anzutreffen. Die Haftpflicht-schaden in den Krankenhausern haben sich inden letzten 10 Jahren mehr als verdoppelt. InDeutschland geht man von etwa 35000 Haft-pflichtschadensfallen pro Jahr aus, mit einer Zu-nahme von 75% innert 5 Jahren [4]. Allerdingsbesteht auch hier ein deutlicher Mangel anaussagefahigen epidemiologischen Untersuchun-gen und die auslandischen Daten sind nur ein-geschrankt zu verwenden. Interessant ist auchdie Tatsache, dass die Fachdiskussion um Identi-fizierung und Vermeidung von Fehlern in derMedizin im internationalen Schrifttum mitZuruckhaltung gefuhrt wird. Dies ist um so er-staunlicher, als sich die Laienpresse seit langemumfassend dieser Problematik widmet [5].Ebenso rasant entwickelten sich die Schadens-summen. So werden heute fur einen Schaden inder Geburtshilfe bis zu 4 Mio. Euro bezahlt, vor10 Jahren waren es noch 3 Euro [6]. Diedamit verbundenen Kosten sind enorm. DieSchlichtungsstelle fur Arzthaftpflichtfragen derNorddeutschen Arztekammer berichtet uber eineVerdoppelung der begrundeten Schadenersatz-anspruche innerhalb der letzten 10 Jahre [7]. Derdurchschnittliche Schadensaufwand pro Fallliegt bei der DBV Winterthur (108000 ver-sicherte Arzte) bei 25000 Euro. Er steigt beiSchaden in Gynakologie und Geburtshilfe aufuber 1 Euro pro Fall an [8]. Gemass Ollen-schlager sind in Deutschland die Schadensauf-wendungen in den letzten 5 Jahren um 100%gestiegen [9].Rall rechnete die Zahlen der USA auf Deutsch-land hoch und kam umgerechnet pro Jahr auf16000–40000 Tote aufgrund medizinischer Be-handlungsfehler in Deutschland. Damit warenmedizinische Fehler auf Platz 8 aller Todesursa-chen [10]. Vincent et al. rechneten fur das ganzebritische Gesundheitswesen 1 Mia. Pfund proJahr [11]. Er berichtete uber ahnliche Zahlen wiedas Institute of Medicine aus England und zeigte,dass bei vielen Patienten unerwunschte Ereig-nisse auftreten [11]. Daraus wurden Zahlen furdie Schweiz hochgerechnet, welche zum Teil hef-tiger Kritik ausgesetzt waren. Der Gesamtumfangdes volkswirtschaftlichen Schadens lasst sichdaraus allerdings nicht kalkulieren, er durfte aberbetrachtlich sein. Gemass Scheidegger sind hin-gegen der Wechsel von einer «culture of blame»zu einer «culture of safety» wichtiger als exakteZahlen [12]. Denn nur so sei es uberhaupt mog-lich, das Problemausmass zu identifizieren.Dementsprechend sehen sich die heutigenKliniken mit wachsenden Patientenanspruchenkonfrontiert. Das Spitalimage steht auf dem Spiel.Neustrukturierungen und Einsparungsmassnah-

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