Telmed: gefährlich, unwirtschaftlich und entbehrlich
Author(s) -
Rolf H. Adler
Publication year - 2012
Publication title -
forum médical suisse ‒ swiss medical forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1661-6146
pISSN - 1661-6138
DOI - 10.4414/fms.2012.01232
Subject(s) - computer science
Frau S. V., geb. 1965, ist in einem Telmed-Modell bei einer Krankenkasse versichert. Sie ist verpflichtet, bei der Telmed die Erlaubnis einzuholen, wenn sie den Arzt aufsuchen möchte. Im September 2011 beginnt sie an präkordialen Schmerzen zu leiden und fragt bei Telmed an, ob sie den Hausarzt aufsuchen dürfe. Die Auskunftsperson stellt ein paar Fragen und will ihr die Ambulanz für den Transport in das 10 km entfernte Regionalspital schicken. Die Patientin lehnt ab und macht darauf aufmerksam, dass der Hausarzt im Haus nebenan praktiziere, höchstens drei Gehminuten entfernt. Telmed gibt die Erlaubnis nicht und besteht auf dem Einsatz der Ambulanz. Diese holt die Patientin ab und transportiert sie ins Regionalspital. Im Austrittsbericht des Regionalspitals an den Hausarzt wird erwähnt: Selbstzuweisung wegen linksthorakalen Schmerzen. Diese sind durch Druck auf die Brustwand auslösbar. Die körperliche Untersuchung fällt normal aus (Blutdruck, Herzfrequenz, Herzund Lungenauskultation, periphere Pulse, Halsvenen, EKG, Echokardiographie, Sauerstoffsättigung und Troponin). Die Kreatinkinase ist erhöht, es wird keine MB-Fraktion bestimmt. In der Anamnese hat die Patientin Schwindel, kalten Schweiss, Herzklopfen und Kribbel empfindungen im linken Arm erwähnt. Wegen der angeblich zunehmenden Symptome, der Familienanamnese (die Mutter hat mit 50 Jahren einen Herzinfarkt erlitten) und des jungen Alters wird sie am dritten Tag ins 50 km entfernte Universitätsspital zur Koronarographie gebracht. Im Bericht aus der Kardiologie steht unter «Jetziges Leiden»: Die Patientin werde wegen instabiler Angina pectoris zu einer dringlichen Koronarographie eingewiesen. Sie leide ungefähr seit einem Jahr an retrosternalem Druckschmerz bei Belastung (die Art der Belastung wird nicht beschrieben). Die Schmerzen würden in den linken Arm ausstrahlen, begleitet von Herzrasen, Schwindel und Schweissausbruch (im Bericht wird auch nicht beschrieben, ob die Ausstrahlung in die Aussenoder Innenseite des Arms erfolgt – Schmerzen in der Armaussenseite wären radikulär bedingt, in der Innenseite eher kardial). Die Untersuchung, insbesondere von Herz und Lungen, sei normal, ebenso EKG und Koronarographie. Im Austrittsbericht wird auf Durchschlafstörungen und nächtliches Schwitzen seit drei Monaten hingewiesen. Kommentar
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