Eine ungewöhnliche Ursache von Leberabszessen
Author(s) -
V Portugall,
R ZahndFröhlich,
HP Marti,
T Stöckli
Publication year - 2011
Publication title -
forum médical suisse ‒ swiss medical forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1661-6146
pISSN - 1661-6138
DOI - 10.4414/fms.2011.07695
Subject(s) - philosophy
Frau M.S., eine 62-jährige Patientin, leidet seit 22 Jahren an einer sekundär progredienten Multiplen Sklerose mit Paraspastik, Blasenentleerungsstörungen mit suprapubischer Harnableitung sowie neuropsychologischen Defiziten. Ausserdem ist die Patientin seit 1988 an einem Diabetes mellitus Typ 2 erkrankt. Bezüglich der Multiplen Sklerose steht sie unter spasmolytischer Therapie. Anfang Februar 2011 musste die Patientin bei septischem Zustandsbild hospitalisiert werden. Als Ursache wurden einerseits eine Aspirationspneumonie und andererseits eine Cholezystitis bei Infundibulumobstruktion durch Konkremente im Ductus cysticus nachgewiesen. Zudem war bereits eine beginnende Einschmelzung im Lebersegment IV zu beobachten (Abb. 1 x). In den Blutkulturen wurden Laktobazillen-Spezies nachgewiesen. Eine antibiotische Therapie mit Amoxicillin/Clavulansäure (wegen Laktobazillen und Aspirationspneumonie) wurde eingeleitet, ergänzend dazu wurde Metronidazol zur Abdeckung des anaeroben Keimspektrums bei Leberabszess eingesetzt. Mit der Patientin wurde eine operative Sanierung besprochen, welche sie primär trotz umfassender Information ablehnte. Eine Verlaufs-CT-Abdomen-Untersuchung nach elf Tagen zeigte multiple Leberabszesse im Segment V und IV (Abb. 2 x). Bei chronifizierter Cholezystits war eine vollständige Abheilung mit einfacher Drainage der Leber und Gallenblase nicht zu erwarten. Die Patientin stimmte einer Operation schliesslich zu. Es wurde eine laparaskopische Cholezystektomie mit Leberabszessdrainage durchgeführt. Im Punktat des Leberabszesses wurde ein Lactobacillus paracasei nachgewiesen. Am 12. postoperativen Tag wurde die antibiotische Therapie von Penicillin G auf Amoxicillin peroral für weitere zwei Wochen umgestellt. Bei einer computertomographischen Verlaufskontrolle konnte eine Grössenregredienz des intrahepatischen Abszesses dokumentiert werden. In den postoperativen Blutkulturen wurde keine Bakteriämie mehr nachgewiesen. Mit rückläufigen Entzündungsparametern und in gebessertem Allgemeinzustand konnte die Patientin schliesslich nach Hause entlassen werden.
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