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Kirschensteine doch nicht so harmlos?
Author(s) -
G Baumgartner
Publication year - 2011
Publication title -
forum médical suisse ‒ swiss medical forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1661-6146
pISSN - 1661-6138
DOI - 10.4414/fms.2011.07572
Subject(s) - philosophy
«Weitere Fallberichte über durch Kirschensteine verur sachte gastrointestinale Komplikationen konnten in der Literatur nicht gefunden werden», schreiben die Auto ren, mit Ausnahme des zitierten Falles einer Appendi zitis. Es dürfte aber eine Dunkelziffer vorliegen, wie der folgende Fallbericht zeigt. Eine 60jährige Frau meldet sich in der Sprechstunde wegen Stuhlverhaltung seit zwei Tagen, zunehmendem Druckgefühl im Rektum und neu nun krampfartigen Schmerzen im kleinen Becken. Die persönliche Ana mnese ist unauffällig mit Ausnahme rezidivierender de pressiver Schübe, weswegen die Patientin Amitriptylin 50 mg täglich in einer Retardform einnimmt. Die digi tale rektale Untersuchung lässt multiple kleine, runde, derbe Fremdkörper ertasten, welche die Frage nach Kirschengenuss provozieren. Ja, sie habe in den letzten Tagen viele Kirschen gegessen, wie seit jeher mit den Steinen. Der Versuch einer Evakuation mittels Anoskop scheitert, so dass die Steine – zirka 70 an der Zahl – ein zeln oder zu zweien digital ausgeräumt werden müs sen. Gegen Ende der Prozedur nimmt der Tonus der vorher offenbar überdehnten Enddarmmuskulatur zu und die Steine werden zum Teil unter beträchtlicher Geschossgeschwindigkeit expulsiert. Die anschlies sende Anoskopie zeigt nebst vereinzelten submukösen Hämatomen normale Verhältnisse. Patientin, Enddarm und Arzt sind erleichtert, und der weitere Verlauf ist un auffällig und rezidivfrei. Weshalb es in früheren Jahren bei gleicher Essgewohnheit nicht zu einem Kirschen steinileus gekommen ist, bleibt unklar. Möglicherweise spielt die potentiell obstipierende Amitriptylinmedika tion eine Rolle. Gerhard Baumgartner

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