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Sankt-Gotthard-Krankheit: einige kritische Anmerkungen - Replik
Author(s) -
BR Holzer,
D Fontanel
Publication year - 2011
Publication title -
forum médical suisse ‒ swiss medical forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1661-6146
pISSN - 1661-6138
DOI - 10.4414/fms.2011.07528
Subject(s) - mathematics
Sehr geehrter Herr Fontanel Ich habe einige Bemerkungen zu Ihrem Case Report. 1. Die anamnestischen Angaben sind lückenhaft. Es finden sich keine Angaben darüber, wie lange der aus Sri Lanka stammende Patient sich in der Schweiz aufhält, wann er sich zum letzten Mal in einem tropischen oder subtropischen Land aufge halten hat, und insbesondere, ob er jemals in einer entsprechenden Umgebung (Tunnel, Mine etc.) ge arbeitet hat. 2. Bei Personen mit entsprechendem Migrationshin tergrund ist eine meist asymptomatische Ankylosto miasis etwas recht Häufiges [2]. Bei Personen aus Sri Lanka findet man zum überwiegenden Teil eine Infestation mit N. americanus und nicht mit A. duodenale [3]. 3. Bei der endoskopischen Beurteilung der Helminthen im Duodenum haben Sie sich in der Länge ver schätzt. Hakenwürmer sind nicht 20 mm lang, wie von Ihnen beschrieben, sondern nur halb so lang. Das Weibchen von A. duodenale misst lediglich 10 bis maximal 13 mm, dasjenige von N. americanus 9–11 mm, die Männchen sind generell kürzer. Die Eier von N. americanus und A. duodenale lassen sich morphologisch kaum unterscheiden. 4. Dass der Patient mit einer wahrscheinlich chro nischen Eisenmangelanämie von 2,2 g/dl (entspre chend einem PCV von 6 bis 7%) erst vier Tage vor der Konsultation symptomatisch wurde und über Schwäche klagte, ist erstaunlich. 5. Die Saint Gothard anaemia war schon lange vor der «GotthardEpidemie» als miners’ disease bekannt. Das Kennzeichen der Saint Gothard anaemia ist die Übertragung der Ankylostomiasis ausserhalb von endemischen Zonen in einem künstlich «tro pischen», feuchtheissen Klima, wie es im Tunnel bau oder in Minen entsteht. Dies wurde bereits von Parona 1880 richtig erkannt. Ich verweise auf die Zusammenfassung der Geschichte der Saint Gothard anaemia durch Peduzzi et al. im BMJ [4]. Bei Ihrem Patienten dürfte es sich deshalb bei unbekannter Anamnese und gemäss Herkunftsort kaum um eine Saint Gothard anaemia, sondern um eine «simple Ankylostomiasis» handeln. Der reisserische Titelzu satz «Eine Epidemie in der Schweiz mit tödlichem Ausgang» ist irreführend, steht wahrscheinlich in keinem Zusammenhang mit der Erkrankung des Pa tienten respektive Übertragung des Parasiten und ist deshalb nicht gerechtfertigt. 6. Bei der Rektosigmoidoskopie beschreiben Sie fibrin belegte konfluierende Ulzerationen, histologisch fin det sich eine granulozytäre Kolitis mit Amöben. Der Patient weist unblutige, wässrige und nicht schlei mig blutige Durchfälle wie bei einer Amöbiasis auf. Die Amöben werden nicht näher spezifiziert. Han delt es sich um E. histolytica, besteht eine Erythro zytophagie, oder liegen apathogene Amöben vor? Ob es sich wirklich wie von Ihnen diagnostiziert um eine Amöbenkolitis handelt, bleibt unklar. 7. Interessant an diesem Fall ist nicht die nicht vorhan dene Saint Gothard anaemia, sondern die massive Anämie bei einem Mann, der, ich nehme mal an, schon seit einigen Jahren in der Schweiz lebt und möglicherweise bereits vor Jahren mit Ankylostoma sp. infestiert wurde. Hier fehlt leider die Anamnese.

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