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Weichteiltumor nach Vitamininjektion eine seltene Komplikation
Author(s) -
B Walter,
I Schoilewa,
H SchreiberFacklam,
HM Bonel,
A Banic,
MA Constantinescu
Publication year - 2010
Publication title -
forum médical suisse ‒ swiss medical forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1661-6146
pISSN - 1661-6138
DOI - 10.4414/fms.2010.07345
Subject(s) - art
Eine 41-jährige Frau wurde mit einem schmerzhaften, palpatorisch schlecht abgrenzbaren Weichteiltumor in der Deltoideusregion des linken Armes in unsere Sprechstunde zugewiesen. Die Veränderung war derb und wenig verschieblich, Hinweise für ein entzündliches Geschehen bestanden nicht. Anamnestisch habe sie das Geschehen vor etwa sechs Wochen erstmals bemerkt, seitdem hätte ein kontinuierliches Grössenwachstum stattgefunden. Die weitere Vorgeschichte beinhaltete, unter anderem, eine «Impfung» in einen Oberarm etwa zwei Monate zuvor. An die Seite könne sie sich nicht sicher erinnern, auch nicht gegen was geimpft wurde. Zur Diagnostik war bereits zuvor eine Kernspintomographie durchgeführt worden, die einen 3,7 x 1,9 x 7,2 cm grossen, unregelmässig begrenzten subkutanen Prozess mit Hinweisen auf eine Infiltration des M. deltoideus und der Muskelfaszien des M. biceps, M. triceps und M. brachialis zeigte (Abb. 1 x). Routine-Laboruntersuchungen waren ohne Auffälligkeiten. Aufgrund der Klinik mit einem unklaren Weichteiltumor an einer Extremität einer jungen Erwachsenen und den radiologischen Befunden eines infiltrativ wachsenden Tumors wurde differentialdiagnostisch trotz der kurzen Anamnese am ehesten ein maligner Prozess in Erwägung gezogen. Eine Inzisionsbiopsie wurde vorgenommen, wobei der intraoperative Befund eines wenig abgekapselten, zerfallenden Gewebes diese Vermutung ebenfalls unterstützte. Die Histologie erbrachte überraschend eine granulomatöse lymphozytenreiche Entzündungsreaktion mit kleinen Nekrosezonen, Fibrose und Gewebeaussparungen ohne Nachweis von Fremdmaterial. Weder konventionell-histologisch noch in Spezialfärbungen ergaben sich Hinweise auf Malignität oder akute Entzündung. Bei der weiteren Aufarbeitung der Vorgeschichte stellte sich die zuvor beiläufig erwähnte «Impfung» als Injektion eines Vitaminpräparates mit Retinol und Cholecalciferol neun Wochen vor der Vorstellung in unserer Klinik heraus, die im Rahmen einer Adipositasbehandlung durch Magenbypassoperation verabreicht worden war. Eine entzündliche Reaktion auf Bestandteile dieser Injektionslösung zur intramuskulären Verabreichung war nun also die wahrscheinlichste Diagnose. Bei subjektiv und objektiv allerdings weiter wachsendem, schmerzhaftem Tumor und fortbestehender Arbeitsunfähigkeit entschlossen wir uns sechs Wochen nach der Inzisionsbiopsie zur kompletten Resektion. Dabei vereinfachten sowohl der Leidensdruck der Patientin als auch die bestehenden Restzweifel bei zuvor radiologisch und während der Inzisionsbiopsie vom Aspekt eindeutig malignem Befund diese Entscheidung. Intraoperativ zeigte sich ein ausgedehnter Prozess mit Infiltration der Mm. deltoideus, biceps, triceps und brachialis sowie vom Periost des Humerus, welcher mittlerweile eine Ausdehnung von 25 x 6 cm aufwies, also eine deutliche Progredienz zum Befund der MRI-Untersuchung. Das Exzidat beinhaltete Anteile der durch diverse Ausläufer infiltrierten Muskeln sowie des Humerusperiostes, der «Tumor» selber war von knotiger Konsistenz, ohne umgebende Kapsel. Die histologische Aufarbeitung dieses Präparates ergab eine lobulierte Pannikulitis ohne Hinweis für Malignität (Abb. 2x). Die Patientin erholte sich komplikationslos ohne zurückbleibendes sensibles oder motorisches Defizit.

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